
Wo ist das Glück zu finden
Von der Seele reden
23.02.2026
Von der Seele reden – der Kommentar von Prof. Dr. Klaus-Dieter Müller, Politik- und Medienwissenschaftler und Vorstand der „Stiftung: Christliche Werte leben“.
Jeden Donnerstag um 20:45 Uhr im Radio und bereits vorab hier den ausführlichen Kommentar online hören. Mehr Infos zur Stiftung auf www.christlichewerteleben.de
Wo ist das Glück zu finden?
Wir leben in einer bemerkenswerten Zeit der Ungewissheit und Angst bei gleichwohl nie gekanntem Wohlstand. Der Politdilettantismus im Umgang mit Putin und Trump und die daraus entstehende Angst vor einem großen Krieg in Europa, die Ohnmacht bei der Bekämpfung des Klimawandels, ausbleibende Gesetze gegen das ausufernde Investmentbanking, aber auch die Angst jeder und jedes Einzelnen, in dieser Gesellschaft bestehen zu können, den Konkurrenzdruck auszuhalten, die zeitliche Verdichtung zu ertragen, der Altersarmut zu entgehen, der Gewalt auf der Straße und in Zügen begegnen zu können und die Angst, die Planbarkeit der eigenen Lebensumstände zu verlieren, weil sich unsere ganze Lebensart von den natürlichen Lebensgrundlagen immer weiter entfernt, machen uns unsicher. Viele fühlen sich in ihrem sozialen Status bedroht und im Blick auf ihre Zukunft gefährdet.
Wir waren doch immer davon ausgegangen, das alles, was wir wollen und schön finden, irgendwann feststeht, vielleicht mit 40 Jahren. Du bleibst stehen, aber die Gesellschaft bewegt sich immer schneller weiter: Immer mehr sollst Du digital erledigen, das Klicken und Daten eingeben nimmt unerträglich zu, die Menschen denken nur noch an sich, das WIR bleibt auf der Strecke, Menschen mit Schrauben in der Nase und grünen Haaren gehören zum alltäglichen Erscheinungsbild, 100 schlechte Fernsehprogramme und kurze abgehackte Sätze bestimmen die Kommunikation. Irgendwann sagst Du zu Dir: Dies ist nicht mehr meine Welt.
Der Wunsch nach Sicherheit ist eine typische Reaktion auf die gestiegene Unsicherheit. So wurde Sicherheit zu dem, was man als „wünschenswerten Systemzustand“ bezeichnen könnte, zum Leitbild beherrschbarer Komplexität. Hinter diesem Gedanken steht die Vorstellung, Sicherheit sei herstellbar. Im Versicherungswesen kommt dieses Anliegen zum Ausdruck.
Wir müssen aber wieder lernen, im Bewusstsein unserer Endlichkeit zu leben und uns nicht gegen jede fundamentale existenzielle Unsicherheit auflehnen, die oft genug nur Ergebnis des sehr großen Spielraumes der Freiheit ist.
Wir wollen glücklich sein, uns wohlfühlen. Die Glücksforschung hat ergeben, der wichtigste Glücksfaktor sind gelingende, liebevolle soziale Beziehungen (Partnerschaft, Familie, Kinder, Freunde, Nachbarschaft, Arbeitskollegen). Gemeinschaft (Zuwendung, Fürsorge, Zugehörigkeit) ist ein emotionales Grundbedürfnis. Ein weiterer Glückfaktor ist unsere psychische und physische Gesundheit. Es lohnt sich also, gezielt etwas für die Gesundheit zu tun (Konsum- und Ernährungsverhalten, Bewegung).
Eine bedeutende Rolle beim Glücklichsein spielen auch Engagement und eine erfüllende Tätigkeit. Wir haben ein Grundbedürfnis nach sinnhaftem Tun und
Wertschätzung. Das alles kann ich selbst in meinem direkten Umfeld organisieren. Darum: Mehr auf unser direktes Lebensumfeld schauen und hier die eigene Identität finden.
Ich wünsche Ihnen eine glückliche Woche, aber bleiben Sie bitte achtsam.