00:00
03:52
Ein Kommentar von Prof. Dr. Klaus-Dieter Müller
  • Von der Seele reden

Internetkriminalität

Von der Seele reden

16.02.2026

Von der Seele reden – der Kommentar von Prof. Dr. Klaus-Dieter Müller, Politik- und Medienwissenschaftler und Vorstand der „Stiftung: Christliche Werte leben“.

Jeden Donnerstag um 20:45 Uhr im Radio und bereits vorab hier den ausführlichen Kommentar online hören. Mehr Infos zur Stiftung auf www.christlichewerteleben.de


Internet-Kriminalität und das erstaunliche Verhalten der DHL

Haben Sie schon mal etwas von „Brushing“ gehört? Brushing ist eine betrügerische Praxis, die Verbraucher weltweit betrifft. Beim Brushing werden Pakete ohne Bestellung an ahnungslose Empfänger gesendet, um den Anschein hoher Verkaufszahlen zu erwecken. Diese Praxis täuscht sowohl Verbraucher als auch Algorithmen von Online-Marktplätzen. Es kann aber auch sein, dass Sie eine einzige Bestellung aufgegeben haben und diese Ware dann 3-4 Mal zugesendet bekommen und Ihnen der Betrag genauso oft zum Beispiel über Paypal abgebucht wird.

Brushing wird oft von Händlern verwendet, um ihre Bewertungen zu verbessern. Die gefälschten Bestellungen führen zu positiven Rezensionen, die von den Betrügern selbst verfasst werden, was den Ruf des Händlers verbessert.  Die betroffenen Personen erhalten oft minderwertige oder wertlose Produkte. Diese Sendungen sind Teil der Täuschung und dienen lediglich dazu, gefälschte Transaktionen zu simulieren.

Online-Marktplätze und auch Paypal haben damit begonnen, Maßnahmen zu ergreifen, um Brushing zu erkennen und zu verhindern. Dazu gehören strengere Überwachungsmechanismen und die Verifizierung von Rezensionen durch unabhängige Dritte. Ich aber habe einen kleinen Plüschhund für meinen Urenkel bestellt und den dreimal bekommen. So weit so schlecht.

Diese Sendungen wurden mir aber vom Logistikunternehmen DHL zugestellt. Mit einem Umsatz von 81,76 Milliarden Euro im Jahr 2023 und rund 594.000 Mitarbeitern weltweit zählt die DHL Group zu den führenden Logistikunternehmen der Welt.

Die Eigentümerstruktur der DHL Group ist breit gefächert. Der Großteil der Aktien, nämlich 80,39%, befindet sich im Streubesitz. Die Bundesrepublik Deutschland hält über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) einen Anteil von 16,99%. Die restlichen 2,62% sind eigene Aktien der Deutschen Post AG. Es handelt sich also um ein Unternehmen, an dem der deutsche Staat beteiligt ist.

Jede und jeder Deutsche/r hat ein Annahmeverweigerungsrecht gemäß $$ 293 ff. BGB. Diese Internetbetrüger aber nennen ihren Firmennamen nicht, sondern senden die Ware mit dem Vermerk „not seller, not return“. In den meisten Fällen ist ein Kontakt zum eigentlichen Verkäufer so nicht möglich, da der Absender ein Logistikdienstleister ist, wie in meinem Fall DHL. Auf der Seite von DHL ist auch eine Rubrik vorgesehen, die man ankreuzen kann, wenn man von seinem Annahmeverweigerungsrecht Gebrauch machen will. In den Fällen von Brushing ist diese Rubrik bei DHL aber durchgestrichen.

Es ist dem Vorstand der DHL sicher bekannt, was hinter diesen Sendungen steht, sie werden dennoch zugestellt und das Annahmeverweigerungsrecht verwehrt. Ich möchte dieses mir sehr zweifelhaft erscheinende Verhalten auf seine strafrechtliche Relevanz prüfen lassen und habe bei der zuständigen Oberstaatsanwältin in Berlin Strafantrag gegen den Vorstand der DHL wegen Beihilfe zum gewerbsmäßigen Betrug gestellt.

Ich wünsche Ihnen eine stressfreie Woche ohne Internetkriminalität, aber bitte bleiben Sie auch hier achtsam.