
Durch die Finger rinnt die Zeit
Von der Seele reden
23.03.2026
Von der Seele reden – der Kommentar von Prof. Dr. Klaus-Dieter Müller, Politik- und Medienwissenschaftler und Vorstand der „Stiftung: Christliche Werte leben“.
Jeden Donnerstag um 20:45 Uhr im Radio und bereits vorab hier den ausführlichen Kommentar online hören. Mehr Infos zur Stiftung auf www.christlichewerteleben.de
Durch die Finger rinnt die Zeit
Ich wiederhole gewisse Dinge einmal in der Woche und merke so oft, wie schnell eine Woche vergeht. Je älter ich werde, scheint auch die Lebenszeit es immer eiliger zu haben. Machen wir zu viel und lassen die Draufschau auf das Erreichte aus? Haben wir in Tempo investiert und die Rendite der Langsamkeit aus den Augen verloren? Wir werden mehr und mehr zu einer Spezies, die sich täglich neu erfindet, jede Gelegenheit beim Schopfe packt, sich aber über den Sinn eigenen Handelns keine Gedanken mehr macht. Lässt uns die digitale Informationsflut keine Chance mehr zum Nachdenken? Da fällt Putin in die Ukraine ein und alle beschäftigen sich mit möglichen Hilfen für die Ukrainer/innen. Jetzt erklären die USA und Israel dem Iran den Krieg. Machen denselben Fehler wie Putin und glauben, ein System könne man schnell mit roher Gewalt bezwingen. Jetzt ist der Nahe Osten im Fokus unseres Interesses und die Ukraine rutscht in den Hintergrund. Auch die Aufmerksamkeit wird durch die Geschwindigkeit des modernen, von Technologien bestimmten Lebens überrundet.
Burnouts und Depressionen beweisen uns, wir müssen kürzertreten. Aber auch hier haben wir es mit unserem größten Problem zu tun: Die Diskrepanz zwischen unserem Wissen und dem, was wir trotz alledem weiter tun. Das erleben wir tagtäglich, wenn es um unser Verhalten in Bezug auf den Erhalt unserer Umwelt geht, auch Politiker wissen, dass der Hass, den sie durch Kriege sähen, sie und ihre Nachfahren Jahrhunderte verfolgen wird und führen immer wieder neue Kriege. Aber wir entfremden uns eben auch weiter von unserer natürlichen Lebensform und lassen uns dennoch durch die Zeit hetzen, ohne zwischendurch zur Ruhe zu kommen und neue Kraft zu schöpfen.
Ich wünsche ihnen eine geruhsame Woche, ohne die Achtsamkeit aus dem Auge zu verlieren.