
Unsere Gesellschaft altert
Von der Seele reden
14.05.2026
Von der Seele reden – der Kommentar von Prof. Dr. Klaus-Dieter Müller, Politik- und Medienwissenschaftler und Vorstand der „Stiftung: Christliche Werte leben“.
Jeden Donnerstag um 20:45 Uhr im Radio und bereits vorab hier den ausführlichen Kommentar online hören. Mehr Infos zur Stiftung auf www.christlichewerteleben.de
Unsere Gesellschaft altert und schrumpft
Die sinkende Zahl der Menschen im jüngeren Alter und die gleichzeitig steigende Zahl älterer Menschen verschieben den demografischen Rahmen in bisher nicht gekannter Art und Weise. Jede zweite Person in Deutschland ist heute älter als 45 und jede fünfte Person älter als 66 Jahre. Die Anzahl der Personen im Alter ab 70 Jahren ist zwischen 1990 und 2022 von 8 auf 14 Millionen gestiegen. Eine Trendwende ist nicht in Sicht. Erst Ende April hat das Statistische Bundesamt verkündet, dass 2025 so wenige Kinder geboren wurden wie noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik.
Das ist keine Überraschung. Wenn über längere Zeit weniger Kinder geboren werden und Menschen zugleich länger leben, verschiebt sich das Gewicht einer Gesellschaft nach oben. Große Jahrgänge rücken ins Rentenalter nach, kleinere Jahrgänge folgen im Arbeitsmarkt nach. Das Ergebnis ist keine plötzliche Katastrophe, sondern eine langsame, aber sehr harte strukturelle Verschiebung.
Nicht die Zahl der Jobs wird automatisch zum Problem, sondern die Zahl der Menschen, die sie ausfüllen können. Es trifft vor allem Pflege, Handwerk, Nahverkehr, Verwaltung, Bildung, Logistik und viele alltägliche Dienstleistungen, die sich schlecht automatisieren lassen, weil sie körperliche Präsenz, Beziehung oder Verantwortung verlangen. Und noch eines: Je älter eine Gesellschaft, desto größer wird im Durchschnitt der Bedarf an medizinischer Versorgung, Langzeitpflege, Rehabilitation und Unterstützung im Alltag. Aber all das kann eine produktive Gesellschaft durch strukturelle Veränderungen abfedern.
Ein Schrumpfen der Bevölkerung wird, wenn überhaupt, überwiegend im Krisenton thematisiert, oder es werden Vorschläge gemacht, die im besten Fall auf der naiven Vorstellung einer zentral steuerbaren Welt basieren.
Sicher: Kriege, zumal in Europa, verunsichern die Menschen. Aber: Als ich gezeugt wurde, war der 2. Weltkrieg gerade einmal 5 Jahre vorbei und die Menschen waren, was die Zukunft anging, äußerst verunsichert. Jetzt habe ich 75 Jahre in Frieden, Freiheit und Wohlstand gelebt.
Auch kann ich Menschen verstehen, die ihr eigenes Leben genießen wollen und keine so große persönliche Verantwortung übernehmen möchten. Zu denen gehörte ich auch lange. Aber: Auch wenn Kinder das eigene Nervenkostüm gelegentlich erheblich strapazieren können, sie geben einem und einer so viel Liebe zurück, dass man sehr oft und immer wieder zu einem glücklichen Menschen wird. Und eines kann ich allen versprechen. Ich habe Freunde, die keine Kinder bekommen haben. Sie beneiden mich um meine zwei Töchter und drei Enkelkinder. Im Alter fallen immer mehr Freunde und Verwandte weg, die Einsamkeit ist ein ständiger Wegbegleiter des Alters bei Vielen. Das Schönste im Leben ist die Liebe, die reinste Liebe kannst Du von Deinen Kindern geschenkt bekommen.
Ich wünsche Ihnen eine Woche der Liebe, aber die Achtsamkeit auch in schönen Stunden nicht vergessen
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