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  • Mahler Meint
  • Kommentar

Zwischen Spaß, Engagement und Angst.

21.06.2021

„Wenn ich Drehbuchautor für Katastrophenfilme wäre, würde ich im Abklingen der Pandemie eine gefährliche Mutante einführen und gleichzeitig ein Sport-Großereignis stattfinden lassen, dessen Teilnehmer und Zuschauer quer über den ganzen Kontinent reisen“ twittert ein mir nicht bekannter Andreas Moser. Er bringt damit die Gemütslage und die Sorgen auf den Punkt, die diese Fußball-EM begleiten. Mehr als Spiele und Ergebnisse bewegt uns, wie es möglich sein kann, dass dieses Ereignis so durchgeführt wird: Ausverkauftes Stadion in Budapest, Lon-don wird vielleicht doch noch vom Spielplan genommen, in München werden Sicherheitshin-weise wie Maskenpflicht und Abstand schlicht ignoriert. Ich fand es auch begeisternd, wie unsere Nationalmannschaft die Portugiesen geschlagen hat. Schlagzeilen macht in diesen Ta-gen aber nicht der Sport, sondern die Pandemie, die Regenbogenfarben und die Kniefälle. Am Mittwochabend soll nicht nur Manuel Neuers zum vierten Mal mit der Regenbogen-Kapitäns-binde auflaufen, die ganze Allianz-Arena in München soll entsprechend illuminiert sein. Als Zeichen des Protests im Spiel gegen Gruppengegner Ungarn. Die Madjaren haben gerade ein Gesetz verabschiedet, dass Jugendlichen die Aufklärung über Homosexualität untersagt.

Und da ist da noch der Greenpeace-Unfall und die Taube. Sie pickte unbeeindruckt während des Spiels Deutschland gegen Portugal auf dem Rasen herum. Und wurde postwendend zum Star in den sozialen Medien. Fazit: Sport: Nebenrolle. Er dient offensichtlich nur noch als Bühne für Politik, Pandemie, Kommerz und Klima. Ganz schön schwer, sich dennoch über schöne Fußballspiele zu freuen.