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Erinnern und lernen.

23.06.2021

In Ulm steht am Donauufer eine Steele, die an die Auswanderung der Donauschwaben in die Länder des Balkan erinnert. Das war im 18. Jahrhundert. Meine Vorfahren waren dabei. Sie fuhren mit kleinen Fährschiffen, den sogenannten „Ulmer Schachteln“ die Donau hinunter und verwendeten das Holz dieser Schiffchen für den Hausbau in der neuen Heimat. 1945 ging es wieder retour, diesmal die Donau hinauf. Meine Großeltern und meine Eltern flüchteten über Österreich nach Deutschland, wo sie ihre neue, alte Heimat fanden. Mit ist bewusst, dass ich ein Flüchtlingskind bin, wenn auch in Deutschland geboren. Am Montag wurde in Berlin-Kreuzberg der Lern- und Erinnerungsort „Flucht-Vertreibung-Versöhnung“ eröffnet. Im Mit-telpunkt stehen die 14 Millionen Deutschen aus dem Osten Europas, die infolge des zweiten Weltkriegs ihre Heimat verlassen mussten. Also auch meine Großeltern und Eltern. Es ist gut, sich zu erinnern. Und es ist wichtig, sich mit der Geschichte zu versöhnen, um eine Zukunft zu haben. Ich begegne hier und heute Menschen, die das Schicksal meiner Vorfahren teilen. Zum Beispiel Thor aus Afghanistan. Oder Samira und Djamal aus Syrien. Ich höre mir ihre Geschich-ten an und bin erschüttert über ihre Fluchterfahrungen und ihre Trauer um die verlorene Hei-mat. Doch, es ist wichtig, die Erinnerung wach zu halten. Aus der Geschichte zu lernen. Um dann eine andere Haltung gegenüber den Menschen zu bekommen, die heute auf der Flucht sind. Und dringend Schutz brauchen und Hoffnung auf eine Zukunft. Ich werde den Erinnerungsort in Berlin-Kreuzberg so bald als möglich besuchen.