
Wer kann Kanzler?
10.08.2021
Das war ein müder und deutlich angeschlagener Robert Habeck im Sommerinterview des ZDF am Sonntag. Fast schon verzweifelt hat er sich bemüht, schönzureden, was nicht schönzureden ist: Die Grünen haben es mit der Kandidatin Baerbock verbockt. Robert Habeck weiß das. Aber es wäre in der Tat unklug, das mitten in der heißen Phase des Wahlkampfs zuzugeben. Das Fatale an der Situation ist: Viele Wählerinnen und Wähler hätten es Habeck Kanzler zugetraut. Er wäre deutlich von Laschet und Scholz gelegen. Und dann hat die Frauenquote zugeschlagen – und der Mann Habeck hat sich gebeugt. Die Frauenquote der Grünen verlangt es eben, dass ein geeigneter Mann eher zur Seite weichen muss, wenn eine ungeeignete Frau den Posten für sich haben will. Die Grünen haben die Wahl mit dieser Auswahl verloren. Habeck weiß das – und verteidigt die Entscheidung dennoch angeschlagen und traurig-tapfer. Die Wählerinnen und Wähler stehen jetzt vor schwierigen Entscheidungen. Laschets Werte sind im Sinkflug – das ist seiner Wachsweichheit zu verdanken. Baerbock trauen wenige Kanzlerin zu. In Gesprächen übers Wochenende ist mir deutlich geworden: Viele, die aus programmatischen Gründen eigentlich grün gewählt hätten, laufen jetzt zur SPD über. Weil Olaf Scholz der Einzige der drei Kandidatinnen zu sein scheint, dem man Kompetenz zutraut. Wenn überhaupt einer Kanzler kann, dann er. So der Tenor meiner Sommerinterviews mit Freundinnen und Freunden. Und ich könnte nur noch heulen ob dieser Frauenqoutenentscheidung der Grünen. Schade fürs Klima, schade für Deutschland.