
Glühwein-Strich.
09.12.2020
Ja, ich weiß. Wir alle haben keine Lust mehr. Keine Lust auf weitere Einschränkungen. Keine Lust auf verschärften Lockdown. Keine Lust, uns jetzt womöglich Weihnachten und Silvester ganz verhageln zu lassen. Das Problem ist nur, dass wir nicht danach gefragt werden, worauf wir Lust haben. Während wir hoffen, dass mit Beginn der Imp-fungen der Corona-Spuk vorbei ist, sagt SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach: „Die nächsten drei Monate werden die härtesten der gesamten Pandemie.“ Und er spricht sich vehement gegen Alkoholausschank in der Öffentlichkeit aus. Bundesge-sundheitsminister Jens Spahn wird auch deutlich, wenn es um Weihnachtsmärkte durch die Hintertür geht: „Es kann ja nicht sein, dass die einen für den Glühwein zu-ständig sind, und die anderen für die Intensivstation“, sagte er am Sonntag im RTL-Jahresrückblick. Inzwischen hat sich für die Glühweinstände to go, an denen sich 40-50 Personen versammeln, der Begriff Glühwein-Strich etabliert.
Ja, wir haben keine Lust mehr. Die Pflegekräfte auf den Intensivstationen sicher auch nicht. Das Vivantis-Klinikum in Berlin Neukölln musste angesichts des Pflegekräfte-mangels in einer Nacht- und Nebelaktion in der Nacht zum Dienstag PatientInnen auf andere Häuser verteilen.
Wir haben keine Lust mehr. Aber wir müssen jetzt solidarisch einen harten Weg ge-hen. Es kann einfach nicht sein, dass die einen unbeschwert Weihnachten feiern und die anderen rund um die Uhr Menschenleben zu retten versuchen. Also mir bleibt bei dem Gedanken die Weihnachtsgans im Hals stecken.