
Die Kraft der Hoffnung.
13.07.2021
Wegen Gewittergefahr war die open-Air Veranstaltung im Reutlinger Spitalhof kurzfristig in die Kirche verlegt worden. Und die war – soweit es die Corona-Regeln zuließen – gut gefüllt. Den kein Geringerer als der Jurist und Journalist Heribert Prantl war zu Gast. An diesem Mon-tagabend rückte eine aktuelle Publikation des streitbaren Katholiken Prantl in den Focus: „Not und Gebot – Grundrechte in Quarantäne.“ Der Demokrat Prantl setzt sich seit Beginn seiner beruflichen Laufbahn als Jurist und Publizist vehement für die Wahrung der Grundrechte ein. Und die sieht er massiv in Gefahr. „Klar, wir müssen uns vor dem Virus schützen“, sagt er, „zugleich aber auch vor Schäden am Betriebssystem Demokratie.“ Einer der Schäden sei es, dass das Parlament bei vielen Einschränkungen der Freiheitsrechte außen vor war. In solch wichtigen Fragen müsse die Demokratie funktionieren und die gewählten Volksvertreter die Entscheidungen treffen. Völlig unerträglich sei die Tatsache, dass man die alten Menschen allein gelassen habe. Das Social Distancing, auch von Kanzlerin Merkel stark forciert, habe dazu geführt, dass der notwendige gesellschaftliche Diskurs nicht mehr stattfinde, Menschen einsam sterben und die Spaltung der Gesellschaft vorangetrieben werde.“ Seit vorgestern wird diskutiert, ob wirklich die Inzidenz alleiniges Parameter für Lockerungen und Schließun-gen sein dürfe. Aussagen Prantls aus dem Frühjahr klingen da geradezu prophetisch: „Es wird sich fast ausschließlich an am Inzidenzwert orientiert. Warum nicht an anderen Variablen? Beispielsweise der Zahl der Impfungen oder der Belegung der Intensivstationen“, sagte er in einem Interview im April. Heribert Prantl war immer schon kein Quer- sondern ein Vordenker. Wir brauchen seine kritische Stimme zur Verteidigung der Demokratie. Gerade jetzt.