
Schluss mit Schwarzfahren!
15.07.2021
Am vergangenen Freitag erklärten mehrere Nahverkehrsbetriebe, dass ab sofort Schluss ist mit dem Schwarzfahren. Dieser Begriff könnte rassistisch interpretiert werden Die Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland begrüßten die Ankündigung der Nahverkehrsbetriebe. Ab sofort sind die ehemaligen SchwarzfahrerInnen solche, die ohne gültigen Fahrausweis un-terwegs sind.
Die Lufthansa, die derzeit wahrlich andere Sorgen hat, kündigte jetzt an, dass es in Zukunft keine „Damen und Herren“ mehr an Bord der Maschinen der Lufthansa und der zum Konzern gehörenden Austrian, Swiss, Eurowings und Brussels Airlines gibt.
Statt „Sehr geehrte Damen und Herren“ wird es nur noch einen „guten Tag“, einen „guten Abend“ oder einfach ein „herzlich willkommen an Bord“ geben.
Es wird also munter weiter gegendert. Meine Frau findet es in diesem Zusammenhang selt-sam, dass Wickeltische fast ausschließlich in Damentoiletten vorhanden sind und Behinder-tengerechte Keramik oft mit der Damentoilette zusammengelegt ist.
Ich fürchte, da wird man keine optimale Lösung finden. Ein „sehr geehrte Damen, Herren und Diverse“ wäre das Letzte, was ich gerne hören möchte. Und zum Thema Schwarzfahren ist noch anzumerken, dass dieser Begriff überhaupt nichts mit Menschen mit dunkler Hautfarbe zu tun hat. Er geht auf den jiddischen Begriff „shvartz“ zurück – und bedeutet einfach arm. Schwarzfahrer sind also eigentlich arme Fahrer und Fahrerinnen, die sich das Ticket nicht leis-ten können. Wenn wir jetzt aber auch noch alle jiddischen und jüdischen Formulierungen aus dem Wörterbuch verbannen, kommt bestimmt der Vorwurf des Antisemitismus ins Spiel. Es wird immer komplizierter – auf dem Weg zur politischen Korrektheit verlaufen wir uns gerade im Dschungel der möglichen Diskriminierungen.