
Katastrophe Deutsche Bahn
Von der Seele reden
23.11.2025
Von der Seele reden – der Kommentar von Prof. Dr. Klaus-Dieter Müller, Politik- und Medienwissenschaftler und Vorstand der „Stiftung: Christliche Werte leben“.
Jeden Donnerstag um 20:45 Uhr im Radio und bereits vorab hier den ausführlichen Kommentar online hören. Mehr Infos zur Stiftung auf www.christlichewerteleben.de
Die Deutsche Bahn – eine Katastrophe
Im Oktober war nur etwa jeder zweite Fernzug pünktlich. Damit erreicht die Deutsche Bahn einen neuen Tiefpunkt. Grund für die schlechte Quote sind laut Unternehmen vor allem die vielen Baustellen. Dazu komme ich noch später.
Wann die Bahn in einem Monat zuletzt so unpünktlich war, ist nicht bekannt. Den bisherigen mutmaßlichen Negativrekord der vergangenen Jahre vom November 2023 (52 Prozent) hat sie nun unterboten. 85,9 Prozent der TGV-Züge in Frankreich waren im Jahr 2023 pünktlich oder kamen mit einer Verspätung von weniger als 5 Minuten an ihrem Zielbahnhof an. Nach dem Public Performance Measure (PPM) waren im letzten Quartal 86,8 % der Züge in Groß Britannien pünktlich an ihrem Zielort. Warum gelingt es in diesen vergleichbaren Ländern so viel besser als bei uns?
Wenn man nun aber dahinter schaut, welche Gründe diese Verspätungen hatten, wird es unglaublich. Ich musste am letzten Wochenende nach Marburg und stieg in den ICE im Berliner Hauptbahnhof ein und wartete fast zwei Stunden, bis der Zug losfuhr. Als Begründung gab die Bahn an, man suche nach einem Lokführer, weil der für die Fahrt vorgesehene Lokführer nicht rechtzeitig mit einem anderen Zug angekommen sei. Auf der Rückfahrt am Sonntag stieg ich in einen ICE, der völlig überfüllt war. Ich hatte einen Sitzplatz reserviert, was deutlich mehr als 100 andere Fahrgäste offenbar nicht getan hatten. Sie saßen und lagen nun nicht nur in den Räumen vor den Türen auf dem Fußboden, sondern auch in den Gängen unter uns Sitzenden. So transportiert man Vieh, die Deutsche Bahn aber auch Menschen. Auf meinen Vorhalt dem Schaffner gegenüber, antwortete dieser: „Sie haben völlig Recht, auch für mich ist diese Arbeit menschenunwürdig. Was meinen Sie, was ich hier zu hören kriege?“ Das glaube ich Ihnen, das aber müssen Sie nach oben weitergeben. Sie können nichts dafür. Aber die Unternehmensführung ist offenbar seit langem schon überfordert. Da hilft es auch nicht, nur den Vorstandsvorsitz auszutauschen. Die Unternehmensstrukturen sind offenbar dringend zu verändern.
T&E (Transparency Register) hat 27 Bahnbetreiber in Europa in einem Bahnranking untersucht. Die Deutsche Bahn (DB) belegt darin insgesamt Platz 16 und Flixtrain Platz 20; sie spielen also nicht vorne mit. Bei der Zuverlässigkeit schneiden beide mit den Plätzen 17 (DB) und 23 (Flixtrain) noch schlechter ab. Und das in der führenden europäischen Wirtschaftsnation. Peinlich!
Ich wünsche Ihnen eine angenehme Reise, wenn Sie reisen müssen, aber bitte bleiben Sie achtsam.