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  • Mahler Meint
  • Kommentar

Nichts ist gut in Afghanistan.

16.04.2021

Es ist lange her. Am 1. Januar 2010 hatte die evangelische Bischöfin Margot Käßmann gesagt: „Nichts ist gut in Afghanistan.“ Gerhard Schröder hatte nach den teuflischen Al-Qaida-An-schlägen vom 11. September 2001 den Vereinigten Staaten unsere „uneingeschränkte Solida-rität“ versprochen. Und damit den Einsatz der Bundeswehr im Land am Hindukusch für lange 20 Jahre zementiert. Genau nach 20 Jahren verlustreichem Einsatz an Material und Menschen-leben – deutschen Soldaten – soll jetzt Schluss sein. Joe Biden beendet die längste kriegerische Auseinandersetzung der Vereinigten Staaten – und die NATO-Partner ziehen wohl ebenfalls aus den Feldlagern ab.

Die NATO-Truppen konnten nicht verhindern, dass Afghanistan immer tiefer im Chaos versinkt. Zu Al Quaida sind jetzt noch die Kämpfer des IS gekommen – die Lage ist katastrophaler denn je. Militärisch war dieser Konflikt nie zu lösen.

Wenn Joe Biden die Afghanistan-Mission jetzt für „erfolgreich abgeschlossen“ erklären will, klingt das wie Hohn. Die Bundesregierung hatte noch vor kurzem für eine Mandatsverlängerung der Bundeswehr geworben. Sie begründete das mit der Lage vor Ort. Die Voraussetzun-gen für einen „verantwortungsvollen, vollständigen Abzug“ der NATO-Streitkräfte seien nicht gegeben. Jetzt auf einmal doch? Nur weil Joe Biden das anders sieht? Wir auch immer: Die vielen Menschenleben, die der Konflikt gekostet hat, die vielen Milliarden an internationaler Hilfe, die nach Afghanistan geflossen sind, könnten umsonst gewesen sein. Wir lassen Afgha-nistan im Stich. Nichts ist gut in Afghanistan – die Fluchtursachen konnten nicht bekämpft werden. Und die Flüchtlinge werden weiter kommen.