
Lazy Corona-Sunday ...
11.04.2021
In meiner Kirchengemeinde finden durchgängig Präsenz-Gottesdienste statt. Habe ich es mir früher im Schlafanzug vor der Glotze mit einer Tasse Kaffee gemütlich gemacht um den Live-Stream zu genießen, gehe ich seit vielen Wochen wieder regelmäßig in die Kirche. Und entde-cke dabei meine Stadt Stuttgart neu. Ich fahre öffentlich oder mit dem Rad. Schon immer. Wenn ich aus S-Bahn-Station (tief) auftauche, höre ich schon in der Unterführung die Glocken der nahegelegenen Kirche. Auf den Bänken und Tischen rund um den Feuersee sitzen Men-schen. Manche frühstücken dort, andere genießen das zauberhafte Ambiente mit See und Johanneskirche und lassen sich die Morgensonne ins Gesicht scheinen. Ich gehe an der Kirche vorbei. Inzwischen haben die Glocken ihren Dienst getan und ich höre, wie wunderbare Or-gelmusik aus dem neugotischen Gemäuer nach draußen dringt. Unterwegs zu meiner Ge-meinde treffe ich jede Menge Jogger. Und natürlich Hundehalter, Radfahrer, Kinder mit Rol-lern, Flaneure. Und Brötchen-Einkäufer. Die stehen in langen Schlangen an den Bäckereien und Lokalen an, die Frühstück oder Brunch to go anbieten. In der Kirche angekommen freue ich mich über Begegnungen – trotz Maske und Abstand. Und ich habe auch inzwischen gelernt, wie man mit dem Herzen singen kann, wenn Band und Vorsänger ihr Bestes geben.
Der Sonntagmorgen ist für mich zu einem festen Ritual geworden. Gerade jetzt ist es wichtig, Fixpunkte in der Woche zu haben, die mir Verlässlichkeit geben. Und nebenbei lerne ich die Stadt noch einmal ganz anders kennen. So tot und leblos, wie ich glaubte, ist sie in Corona-Zeiten gar nicht. Nicht einmal am Sonntagmorgen.