
Host kann Genierer?
17.03.2026
86% der Fahrgäste in öffentlichen Verkehrsmitteln stören sich am unangemessenen Verhalten von anderen. Da wird lauthals telefoniert, vom Nachbarplatz wabert Dönergeruch herüber, Handys oder Bluetooth-Boxen beschallen den Innenraum. Host kann Genierer? fragt deshalb Wien seine Fahrgäste. Ich denke, das Bild ist in Berlin oder Köln nicht wesentlich anders. Nur die Fragestellung würde anders lauten. Host kan Genierer heißt: genierst Du dich nicht? Hast du keinen Anstand?
Wien will jetzt gegen eine terrorisierende Minderheit vorgehen. Mit Hilfe der anständigen Mehrheit. Diese soll die Störer auf ihr Verhalten hinweisen mit der Frage im Wiener Schmäh: Host kann Genierer?
Das soll zunächst fruchten. Die Zivilgesellschaft könnte das unter sich ausmachen, bevor der Gesetzgeber die Daumenschrauben ansetzt. Es gibt schon Maßnahmen – zumindest in Wien: essen und trinken ist in den Öffentlichen verboten und kann mit Bußgeld geahndet werden. Wenn die soften Maßnahmen nicht greifen, ist mit Sicherheit die Lärmquelle Nummer eins, das Handy mit allem Zubehör dran. Ganz ehrlich: mich interessiert der Beziehungsstatus meiner Nebensitzerin so wenig wie der berühmte Sack Reis, der in China umfällt. Allerdings tut es der Sack für mich geräuschlos, der Entfernung wegen.
Ich finde die Wiener Aktion nett. Allein mir fehlt der Glaube, dass sie etwas bringt. Ebenso wie bei der Gurt- und Helmpflicht, wie beim illegalen Entsorgen von Kippen und Müll im öffentlichen wird es wieder mal nur über Anzeige und Geldbuße gehen. In Wien, Berlin, Moskau und New York. Die Welt tickt nun mal so. Leider.