
Ephata.
23.08.2021
Mir fehlen die Worte, sagte die Liturgin gestern im Gottesdienst. Und damit betete Sie. Eigentlich ohne Worte. Sie nahm zwar die Stichworte Afghanistan in den Mund und auch Haiti, das unendliche Leid, das über unsere Erde und auch über so viele Einzelne gekommen ist. Aber sie schlug Gott nicht vor, wie er jetzt etwa zu handeln hätte. Nein, sie klagte, sie seufzte. Im Predigttext, der für den gestrigen Sonntag in der Perikopen-Reihe stand, hatte sie ein gutes Vorbild gefunden. Jesus war unterwegs. Er traf auf einen Mann, der taub und stumm war. Und Jesus sagte nicht mit Donnerstimme: werde gesund! Nein, er hob seine Hände in die Höhe und seufzte. In namenlosem Leid fehlen die Worte. So wie mir gerade angesichts von Flut, Feuer, Erdbeben, Tropensturm und zurückgelassenen Menschen in Afghanistan, Menschen auf der Flucht. Was soll man dazu sagen? Am besten nichts. Ich kann mir ein Beispiel an Jesus nehmen. Meine Hände zum Himmel aufheben und seufzen. Aber Jesus hat dann doch noch etwas gesagt: ein einziges Wort. Ephata – das heißt: tu Dich auf. Himmel, tu Dich auf und berühre diesen Menschen in seinem Leid, in seiner Not. Ephata – tu Dich auf – das sagte Jesus auch, als er die Ohren des Kranken berührte und die Zunge mit dem Heilmittel der damaligen Zeit – mit Speichel. In dieser Jesus-Begegnung wurde wirklich Not gelindert. Die Ohren des Taubstummen taten sich auf, die Zunge löste sich. Der Mann wurde geheilt. Weil sich der Himmel auftat und die heilenden Kräfte sich Bahn brechen konnten. Auch wenn das nicht geschieht – zumindest höchst selten, wenn ich Ephata stöhne – ich will es weiter üben. Himmel, tu Dich auf über der Not. Und zeige mir, wo ich Menschen berühren kann mit heilenden Gedanken und hilfreichen Taten.