
Ein feste Burg ist unser Gott.
06.08.2020
Seit Jahrhunderten gelten sie als letzte Rettung für Verfolgte und Entrechtete. Die Kirchen und Klöster schützen die, die sich sonst nirgendwo mehr vor dem Zugriff der Häscher verstecken kön-nen. In den zurückliegenden Jahrzehnten ist diese Möglichkeit der Rettung wieder in die Schlag-zeilen gekommen. Im Zuge der Flüchtlingskrise buchstabierten bis dahin Unwissende den Begriff „Kirchenasyl“. Einzelne oder Familien, die von Abschiebung in Krisengebiete bedroht waren, flüch-ten sich hinter die dicken und wehrhaften Mauern von Klöstern und Kirchen.
Die staatlichen Behörden fechten in Sachen Kirchenasyl einen erbitterten Kampf mit den Kirchen-leitungen aus. Derzeit gegen die 62jährige Äbtissin Mechthild Thürmer, die die kleine Abtei Kirch-schletten bei Bamberg leitet. „Beihilfe zum unerlaubten Aufenthalt“ wird ihr vorgeworfen, weil die Abtei eine Afrikanerin ins Kirchenasyl aufgenommen hat. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft ermittelt, dass in den vergangenen Jahren bis zu 30 Personen den Schutz von Äbtissin Mechthild genossen haben. Ihr wird nun eine empfindliche Freiheitsstrafe angedroht.
Die Causa Kirchschletten rückt den Focus nun wieder aufs Kirchenasyl. 2019 befanden sich 480 Flüchtlinge in kirchlicher Obhut, derzeit sind es 357, sagt die Arbeitsgemeinschaft Asyl und Kirche. Nur 2% von ihnen entgehen letztendlich einer Abschiebung, vor fünf Jahren waren es noch 80%. Aus dem Innenministerium in Berlin verlautet, dass Horst Seehofer das Kirchasyl am liebsten ganz abschaffen würde.
Auf ihre Facebook-Seite hat die Abtei Kirchschletten das Foto einer hochgereckten Faust gepostet, um die ein Rosenkranz geschlungen ist. Dieses Motiv, eigentlich wegen Corona veröffentlicht, passt auch gut zur Haltung von Mechthild Thürmer. Da es sich um Härtefälle handelt, habe sie aus ihrem christlichen Gewissen heraus gehandelt. Recht hat sie. Das Kirchenasyl als letzte Rettung vor der Abschiebung in Tod und Verfolgung muss erhalten bleiben.