
Die kleine Raupe Nimmersatt.
28.05.2021
Eric Carle ist am vergangenen Sonntag im Alter von 91 Jahren gestorben. Wer ist Eric Carle? Kaum einer kennt den Autor und Illustrator, aber jeder kennt sein Bilderbuch: Die kleine Raupe Nimmersatt. Über 50 Millionen Mal wurde knallbunte Bilderbuch mit den charakteristischen Löchern seit seinem Erscheinen im Jahr 1969 weltweit verkauft. Meine Kinder und inzwischen auch meine Enkel sind mit der kleinen Raupe aufgewachsen, die sich eine Woche lang durch Äpfel, Birnen, Würstchen und viele andere Lebensmittel frisst. Sinnlich nachzuerleben, wenn man den Weg der Raupe durchs Schlaraffenland mitgeht, indem man einen Finger in die vor-gestanzten Löcher steckt. Am Ende ist die Raupe dick und verpuppt – und wird zum wunder-schönen Schmetterling.
Der Tod von Eric Carle hat mich daran erinnert, was für eine enorme Bedeutung Bilderbücher für die Entwicklung von Kindern haben. Wie begierig sie aufnehmen, was ihnen dort an Le-bensweisheiten mitgegeben wird. Der mühsame Prozess von der Verpuppung der Raupe zum Schmetterling als Weg zum Sein mit einer Bestimmung – das kann kein philosophisch-psycho-logisches Lehrbuch besser vermitteln als Eric Carle mit seiner kleinen Raupe.
Mein Wunsch an alle Eltern, Großeltern und sonstige Erziehende: Lesen sie weiter vor. Trotzen sie der bequemen Versuchung, dies vom elektronischen Kindermädchen übernehmen zu las-sen, das die Kleinen mit einer Bilderflut erschlägt. Und: es lohnt sich auch für die Vorlesenden. Ganz einfache Lebensweisheiten begreift man besser, wenn sie schlicht und kindgerecht vermittelt werden.