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  • Mahler Meint
  • Kommentar

Der Kniefall.

17.06.2021

Er polarisiert nicht nur den Sport, sondern auch die Politik. Der Vorfall von 2016, als erstmals der Footballspieler Colin Kaepernick demonstrativ auf die Knie ging, um gegen Rassismus und Diskriminierung im Sport zu demonstrieren. Das hat seitdem Schule gemacht – und die Wellen schlagen jetzt bei der Fußball EM wieder hoch. Die Tree Lions aus England gingen beim Eröff-nungsspiel gegen Kroatien im Wembleystadion geschlossen auf die Knie – und ernteten Beifall und Buhrufe. Sport und Politik – seit vielen Jahren ein höchst emotionales Thema. Zumal an den Banden der EM-Stadien Qatar omnipräsent ist – Qatar Airways freut sich auf die Gäste im nächsten Jahr zur Weltmeisterschaft im eigenen Land. Laut Menschenrechtsorganisationen forderte der Stadionbau im Emirat mehrere tausend Tote, von Sklaverei wird gesprochen und von menschenunwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen. Der Sport hat seine politische Unschuld längst verloren. Naiv ist, wer glaubt, man könne hier etwas auseinanderhalten. Die unschuldige Jugend der Welt und die politische Bühne für Staaten, die über sportliche Höchst-leistungen das ramponierte Image ihres Landes mit vielen Millionen Dollar aufpolieren kön-nen. Das ist nebenbei keine Erfindung der Neuzeit – man denke nur an Staatsdoping in den ehemaligen Ostblockstaaten und manches andere mehr.

Der Kniefall der Engländer und anderer Nationen macht deutlich, dass die medialen Bühnen dieser Welt längst nicht mehr rein sportlichen Leistungen vorbehalten sind. Wenn Sportlerin-nen und Sportler wirklich etwas bewirken wollen, dürfen sie es nicht bei symbolischen Gesten belassen. Ein Boykott der Weltmeisterschaft in Qatar ist längst überfällig.