
Das tragische Ende einer Ikone.
02.06.2026
Sie stand jahrelang in Lebensgröße im Schaufenster meiner Medienfirma. In Pappe – die Film-szene aus dem „verflixten 7. Jahr“ von 1955 – die Luft aus einem Schacht wirbelte ihr Kleid hoch. Marilyn Monroe – sie wäre am 1. Jun, 2026 100 Jahre alt geworden. Die tragische Ikone Holywoods, bürgerlich Norma Jean Mortenson, wächst über viele Jahre ihrer Kindheit in Hei-men auf. Bei Ihrer Mutter wird Schizophrenie diagnostiziert. Marilyn Monroe hechelt durch eine steile Karriere, ist dreimal verheiratet, mit einem GI, einem Baseballstar und dem Dramatiker Arthur Miller. Ihr werden Affären mit John F. und Robert Kennedy nachgesagt. Marylin versinkt in einem Rausch aus Aufputschmitteln. 36 Jahre wird sie alt. Am 4. August 1962 wird Norma Jean Mortenson tot in Ihrer Wohnung in Kalifornien aufgefunden. Um ihren Tod ranken sich bis heute viele Gerüchte. 1982 dann die amtliche Todesursache: Marylin Monroe hat sich mit einer Überdosis Schlaftabletten selbst das Leben genommen.
Was hat das alles mit der lebensgroßen Pappfigur vor meiner Medienagentur zu tun? Ich hatte eine Auflage des Büchleins „Gebet für Marylin Monroe“ des Kultusministers und Schriftstellers Ernesto Cardenal aus Nicaragua auf dem Tresen liegen. Den erstaunten Passanten schenkte ich jeweils ein Exemplar. Und so geht das Gebet für Marylin Monroe:
Herr nimm auf dieses Mädchen, in der ganzen Welt bekannt als Marilyn Monroe, wenn das auch nicht ihr wirklicher Name war (doch Du kennst ihren wirklichen Namen, den Namen des kleinen Waisenkindes, das mit neun Jahren vergewaltigt wurde, und der Verkäuferin, die mit sechzehn Selbstmord versuchte) und die nun vor Dir steht, ohne Schminke, ohne ihren Presseagenten, ohne Fotografen und ohne Autogramme zu geben, allein wie ein Astronaut vor der Nacht des Weltraums.
Sie träumte als Kind, nackt in einer Kirche gewesen zu sein (wie Time berichtete) vor einer knienden Menge, die Köpfe geneigt bis zur Erde, und sie musste auf Zehenspitzen gehen, um die Köpfe nicht zu zertreten. Du kennst unsere Träume besser als alle Psychiater. Kirche, Haus, Höhle bedeuten die Sicherheit des Mutterschoßes, aber doch auch mehr als das… Die Köpfe, das sind die Bewunderer, das ist klar (die Masse der Köpfe im Dunkel unter dem Strahl des Lichts). Doch der Tempel ist nicht das Studio der 20th Century Fox. Der Tempel – aus Marmor und Gold – ist der Tempel ihres Körpers, aus dem der Menschensohn, eine Peitsche in der Hand, die Händler der 20th Century Fox vertreibt, die aus Deinem Gebetshaus eine Räuberhöhle gemacht haben.
Herr, in dieser Welt, verpestet von Sünde und Radioaktivität, sprichst Du nicht eine Verkäuferin schuldig, die wie alle Verkäuferinnen davon träumte, ein Filmstar zu sein. Und ihr Traum wurde Wirklichkeit (die Wirklichkeit in Technicolor). Sie hat nur nach unserem Drehbuch gespielt – dem unserer eigenen Leben –, und das Buch war absurd. Vergib ihr, Herr, und vergib auch uns für unsere 20th Century, für unsere Monster-Super-Produktion, an der wir alle gearbeitet haben. Sie war hungrig nach Liebe, und wir boten ihr Beruhigungsmittel. Weil sie traurig war, keine Heilige zu sein, empfahl man ihr Psychoanalyse. Denke, Herr, an ihre wachsende Angst vor der Kamera und an den Haß auf die Schminke – sie bestand vor jeder Szene auf neuem Make-up –, und wie das Entsetzen zunahm und die Unpünktlichkeit in den Studios.
Wie jede Verkäuferin träumte sie davon, ein Filmstar zu werden. Und ihr Leben war unwirklich wie ein Traum, interpretiert und archiviert von einem Psychiater.
Ihre Romanzen waren Küsse mit geschlossenen Augen, bei denen man, wenn man die Augen aufschlug, ins Scheinwerferlicht starrt, und dann gehen die Scheinwerfer aus. Und man baut die beiden Wände ab (es war eine Filmszene), während der Regisseur mit dem Drehbuch fortgeht, weil die Szene nun schon gedreht ist. Oder wie die Reise auf einer Jacht, ein Kuss in Singapur, ein Ball in Rio, der Empfang in der Villa des Herzogs und der Herzogin von Windsor, gesehen vom Zimmer einer erbärmlichen Wohnung aus.
Der Film ging zu Ende ohne den Kuss im Finale. Man fand sie tot in ihrem Bett, ihre Hand am Telefon. Und die Detektive fanden nicht heraus, wen sie anrufen wollte. Es war, als habe jemand die Nummer der einzigen freundlichen Stimme gewählt und nur die Stimme vom Band gehört, die sagt: wrong number. Oder als habe jemand, von Gangstern überfallen, die Hand nach dem unterbrochenen Telefon ausgestreckt.
Herr, wer immer es auch war, den sie anrufen wollte und den sie nicht erreichte (und vielleicht war es niemand oder jemand, dessen Nummer nicht im Telefonbuch von Los Angeles steht) antworte du Ihrem Anruf!