Zurück – und ärmer als zuvor

Geplatzte Träume, enttäuschte Hoffnungen. Serhad Sabit und seine Familie stehen in Tegel im Terminal C, Schalter 60, Flug nach Erbil im Irak. Im Terminal C stehe ich auch oft, warte auf meinen Flug nach Stuttgart, nach Hause.

 

Serhad Sabit will auch wieder nach Hause – nach sieben Monaten Deutschland. In Bagdad hat er alles verkauft, Haus, Auto und was eben so ging, hat seine Frau und seine zwei Kinder genommen und ist mit 30.000 Dollar losgezogen. Nach Deutschland. Nach drei Wochen Flucht war das Geld so gut wie alle, und er fand sich in Zwickau wieder. Notaufnahme, Turnhalle mit Stockbetten, immer Licht, immer Lärm, keine Privatsphäre, kein Deutschkurs. Nach 7 Monaten hat er die Reißleine gezogen und fliegt zurück. Als Kurden haben er und seine Familie kein leichtes Leben vor sich – und sind zudem mittellos. 1250 Laizee-Passe-Dokumente hat die irakische Botschaft 2015 ausgestellt – alle für enttäuschte Rückkehrer wie Familie Sabit.

 
Was ist schief gegangen?

 

Am Anfang stand eine vage Hoffnung, eine Illusion, die genährt wurde von Schleppern: In Deutschland wird alles anders sein. Sicherheit, Wohnraum, Bildung, Arbeit. Serhat Sabit hat sich gerne täuschen lassen – stand doch ein neues Leben für seine Familie in Aussicht. Aber in Deutschland kommen wir nicht nach. Nicht mit der Registrierung, nicht mit der Anerkennung, nicht mit Bildung, Wohnraum und Arbeit. Deutschland schafft es trotz wirklich großer Anstrengung einfach nicht. Österreich ist in einer ähnlichen Situation. Sie haben die Notbremse gezogen: Begrenzung der Aufnahme. Ich meine nicht, dass wir das auch machen sollten. Aber es muss aufhören, dass den Menschen in den Krisengebieten unrealistische Hoffnungen vermittelt werden. Sonst kehren immer mehr Menschen zurück in die Kriegsgebiete – um eine Hoffnung und viel Geld ärmer.

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