Zufällig entstehende Krebserkrankungen sind am schwersten heilbar

cancer500.000 Menschen erhalten in Deutschland jährlich die Diagnose Krebs. Schuld am Ausbruch einer Erkrankung sind dabei nicht immer die Gene oder die Lebensweise. Die Mehrheit der Krebsfälle würde schlichtweg durch eine Kombination von Pech, Umwelt und Erbfaktoren auftreten. Rund zwei Drittel (65 Prozent) der Tumorerkrankungen sind auf zufällige Mutationen bei der Zellteilung zurückzuführen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Johns Hopkins University in Baltimore, die zu Jahresbeginn in der US-Fachzeitschrift “Science” veröffentlicht wurde.

 

Eine Änderung des Lebenswandels und der Gewohnheiten könne der Studie zufolge durchaus bei der Vorbeugung von D-Tumoren hilfreich sein, da die dazu zählenden Krebsarten durch Umwelt- und Erbfaktoren entstehen. Bei R-Tumoren sei es dagegen mit einem gesunden Lebensstil nicht getan. Denn das sind die Krebsarten, die vor allem durch Replikationsfehler bei der Vervielfältigung von Stammzellen verursacht werden und deshalb kaum abwendbar seien. Hier käme es vielmehr auf bessere Verfahren zur Früherkennung an, die eine Krebserkrankung in einem noch kurierbaren Stadium aufdecken.

 

Immuntherapien fördern Abwehrreaktion des Immunsystems gegen Krebszellen

 

Selbst wenn das Pech zuschlägt, ist die Diagnose Krebs heute kein Todesurteil mehr. Mittlerweile wird jeder zweite Krebspatient in Deutschland geheilt. Vor 40 Jahren konnte bei weniger als 30 Prozent der Krebspatienten eine Genesung erreicht werden. Grund für die positive Entwicklung sind die gewachsenen Möglichkeiten, Krebs zu behandeln, und die kontinuierliche Forschung an weiteren Behandlungsmethoden. Zu den schulmedizinischen Maßnahmen mit den besten Erfolgsaussichten zählen bei richtiger Indikation derzeit die Operation, Strahlentherapie, Chemo- oder Hormontherapie.

 

Im Bereich der Alternativmedizin hat insbesondere die Immuntherapie mehr Bedeutung erlangt. Immunologische Therapien zielen auf die Stärkung des Immunsystems, so dass der Körper bösartige Tumorzellen besser bekämpfen kann. Es kommen hauptsächlich stimulierende Verfahren zum Einsatz, bei denen Betroffene Impfstoffe oder Immunstimulanzien verabreicht werden. Anders als bei Impfstoffen dient die Vergabe von Immunstimulanzien dazu, ein bereits geschwächtes Immunsystem zu aktivieren. Diese Therapieform wird deshalb häufig erst parallel zu einer der konventionellen Behandlungen angewendet. So wird zum Beispiel die Immuntherapie mit dem körpereigenen Protein GcMAF oft als Ergänzung zu Therapien von Brustkrebs, Prostatakrebs und weiteren Tumorentitäten genutzt. Eine Immuntherapie ist zumeist im Anschluss an eine Operation, Strahlen- oder Chemotherapie sinnvoll, weil es die Abwehrzellen danach leichter haben, die schon unterdrückten Tumore abzutöten.

 

Immuntherapien können die Überlebenschancen erhöhen

 

Mit der Immuntherapie wurde zwar kein Allheilmittel gegen Krebs gefunden, dennoch setzt man in der Onkologie viel Hoffnung auf diese Krebstherapie. Vielversprechend verläuft bisher die Immuntherapie mit Immuncheckpoint-Inhibitoren beim Melanom. Die Wirksamkeit der Immuntherapie liegt beim schwarzen Hautkrebs auch darin begründet, dass diese Krebsart meist schon gut vom Immunsystem erkannt wird. Die Immuncheckpoint-Inhibitoren wie Ipilimumab oder Nivolumab, die Patienten per Infusionen verabreicht bekommen, mobilisieren Abwehrzellen, welche zuvor durch die Melanom-Zellen blockiert wurden. Noch existiert jedoch nicht für jede Krebsart eine effektive Immuntherapie. Weniger gut funktioniere die Immuntherapie beispielsweise bei Dickdarmkrebs und Bauchspeicheldrüsenkrebs – das sind genau die R-Tumore, die wegen der Zufälligkeit ihrer Entstehung als kaum vermeidbar und schwer behandelbar gelten.

 

Andere immunologische Ansätze werden noch oder müssen erst in klinischen Untersuchungen getestet werden. So schaffte es eine Impfung, die während einer klinischen Studie mit 16 Kopf-Hals-Karzinom-Patienten angewendet wurde, zum Durchbruch als mögliche neue Therapieform. An der Urologischen Klinik des Universitätsklinikums Freiburg arbeiten Wissenschaftler außerdem an einer Immuntherapie mit einem Immuntoxin, die bei Prostatakrebs im fortgeschrittenen Stadium eingesetzt werden soll. Die Forschung wird von der Deutschen Krebshilfe gefördert. Zukünftig könnten häufiger Kombinationstherapien angeboten werden, die eine solcherart passende Immuntherapie einschließen.

 

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