Wohnungsnot.

Wer heute versucht, in einer trendigen Großstadt eine bezahlbare Wohnung zu finden, hat schlechte Karten. Meine Frau ist Krankenschwester. Viele Ihrer Kolleginnen sind in großer Not, weil sie keine Chance haben, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Es sei denn, sie nehmen für jede Schicht 2-3 Stunden Fahrzeit in Kauf.

Wenn ein Vermieter – und wir gehören dazu – versucht, eine Wohnung unter dem gängigen Mietspiegel zu vermieten, bekommt er Ärger mit dem Finanzamt. „Unerlaubte Schenkung“ sei dies, und das ist gleichbedeutend mit Steuerbetrug, weil die Mieteinnahmen dem Staat ja kräftig Geld ins ohnehin prallgefüllte Stadtsäckel spülen.

Das Finanzamt hat uns zudem vorgeworfen, wir würden ohne Gewinnerzielungsabsicht vermieten. Wenn man also etwas für die Allgemeinheit tun will und dabei nicht auf maximale Rendite achtet, wird man in die Nähe von Steuersündern und damit Verbrechern gestellt. In was für einer Welt leben wir eigentlich? Den Städten wird Untätigkeit vorgeworfen, was den sozialen Wohnungsbau angeht. Wenn Bürger dann zur Selbsthilfe greifen und versuchen, den vorhandenen Wohnraum etwas gerechter zu verteilen, werden ihnen unlautere Motive unterstellt. Das ist traurig – vor allem für Mieter, denen die Behörden günstigen Mietraum versagen. Denn die Vermieter – mich eingeschlossen – haben irgendwann keine Lust mehr auf dieses würdelose Spiel. Und vermieten in Zukunft gar nicht mehr. Weder teuer noch günstig.

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