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Wohnen wird zum Luxus. Mahler meint am 31.01.2018

Martin hängt an der Dialyse seit der 17 ist. Jetzt ist er ein alter Mann von Mitte 60 und geht immer noch drei mal in der Woche zur Blutwäsche. Martin hat Glück: noch kann er sich leidlich alleine versorgen und: er hat eine bezahlbare Wohnung. Ausreichend groß – aber das Badezimmer, 4 Quadratmeter, sollte endlich behindertengerecht ausgebaut werden. Man könnte die Besenkammer dazu nehmen, dann ginge das. Martin würde sogar etwas von seinem Ersparten dazu geben.
Der Vermieter sieht das anders. Er würde Martin am liebsten loswerden. Einen Käufer für die Wohnung hat er schon. Martin wird über kurz oder lang ohnehin zum Pflegefall und wird dann betreut werden müssen. Im Heim oder in einem betreuten Wohnen. Der Käufer der Wohnung will die Wohnung luxussanieren. Martin könnte bleiben – zunächst. Wenn er sich die deutlich Mieterhöhung – im Gespräch sind 50% – leisten könnte.
So wie Martin geht es vielen Menschen in deutschen Städten. In der Vergangenheit konnten sie sich ihre Wohnung gerade noch so leisten. Aber jetzt sind Mieterhöhungen von bis zu 60% im Gespräch wie jüngst in Spandau. Der Fall ging durch die Presse. Aber der Aufschrei bleibt aus. Die Politik hat vor Jahren mit der sogenannten Mietpreisbremse reagiert. Der Verkauf von Wohnungen an Spekulanten und Anleger ging aber munter weiter.
Die Politik ist gefragt. Der Markt regelt das Wohnproblem längst nicht mehr. Wohnen wird für viele zum Luxus, sie müssen ihren angestammten Kiez verlassen.
Vielleicht könnte die SPD in den Koalitionsverhandlungen hier ein deutliches Zeichen setzen. Obwohl die CSU mit am Tisch sitzt. München hat die höchsten Mieten in der Republik – bis zu 20 Euro pro Quadratmeter sind dort an der Tagesordnung.

 

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