Wohin soll ich fliehen?

Es wird immer enger. Die bewohnbaren Teile des Globus schrumpfen zusammen. Dorthin wol-len die Verfolgten, Gepeinigten, Verhungernden. Das ist absolut nachvollziehbar aus der Sicht derer, denen jegliche Lebensperspektive abhandengekommen ist. In Ihrem Buch „Die Ge-schichte des Wassers“ beschriebt Maja Lunde die Flucht-Bewegung von Afrika über Südeu-ropa in die Klimazonen Mittel- und Nordeuropas. Die Verdurstenden schleppen sich mühsam von Flüchtlingslager zu Flüchtlingslager. Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction klang, wird derzeit bittere Realität. Nur: auch in den scheinbar sicheren Klimazonen wird jetzt genau das zum Problem: keine Wasserknappheit, sondern zu viel Wasser. Todbringendes Wasser.

Die Elemente sind außer Rand und Band. Die Fluchtorte schrumpfen immer mehr zusammen und selbst diese sind nicht mehr katastrophensicher. Derzeit sitzen allein in der Türkei 3,6 Millionen Geflüchte aus Syrien. Eine weitere große Flüchtlingswelle aus Afghanistan wird nach dem Abzug der Nato-Schutztruppen in Europa erwartet. Der Widerstand der Bevölkerung in den Aufnahmeländern wächst. Naturkatastrophen in Europa, Nordamerika und Asien infolge des Klimawandels machen immer mehr Gebiete faktisch unbewohnbar.

Angesichts dieses apokalyptischen Szenarios müssen alle gutgemeinten Ratschläge im Hals steckenbleiben. Wir wissen es längst: Die Klimakatastrophe muss abgewendet werden, die friedliche Koexistenz der Religionen und Ethnien sind die Grundvoraussetzung für das Überle-ben der Menschheit. Aber fast alle Versuche, hier als Weltgemeinschaft helfend einzugreifen verpuffen wirkungslos. Siehe Afghanistan. Die olympischen Spiele in Japan sind wirken wie ein Menetekel: Die Welt trifft sich zum friedlichen Wettstreit. Aber die Welt ist gar nicht vor Ort. Es kann einen schon gruseln.

 

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