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Woche der Wahrheit für Europa

Es geht um Europa. Auf jedem Gebiet. England ist noch nicht sicher durch in Gruppe B. Deutschland ist noch wacklig in Gruppe C. Portugal muss sich steigern, um sicher ins Achtelfinale zu marschieren. Aber ganz ehrlich: das ist doch nur Fußball.
Andere Europa-Themen machen mehr Sorge: Am Donnerstag kommt es zum Showdown in Großbritannien. Das Vorspiel zur Abstimmung über den Brexit hätte nicht fürchterlicher inszeniert werden können: ein fanatischer Brexit Befürworter ersticht Jo Cox, eine der beliebtesten Politikerinnen des Landes. Schwacher Trost: Damit hat er den Brexit-Befürwortern mehr geschadet als genützt.

 

Die EU-Befürworter haben seitdem wieder Oberwasser. In Italien sind Turin und Rom an die Rechten gefallen bei der Bürgermeisterwahl. Der anti-europäische Rechtsruck setzt sich fort: Nach Ungarn, Polen, Frankreich und Österreich scheint Italien wieder in alten Nationalismus zu verfallen. Und da war doch was in Griechenland: Richtig, der Europameister von 2004 – damals besiegten wackere Helenen im Endspiel Frankreich – ist in Frankreich 2016 nicht dabei. Hat auch andere Sorgen. Dringend braucht es neues Geld oder einen Schuldenschnitt, soll die angeschlagene griechische Wirtschaft nicht vollends kollabieren. Und wer an Griechenland denkt, dem fallen natürlich auch Flüchtlinge ein. 65 Millionen sind es weltweit, so das UNHCR in seinem jüngsten Bericht. So viel wie nie zuvor. Kenia schließt das größte Flüchtlingslager des Landes, im Mittelmeer ertrinken wieder Tausende, die Balkanroute ist dicht.

 

Europa feiert Europameisterschaft. Das kann aber nicht dauerhaft von den drängenden Problemen ablenken, die den Kontinent spalten.

 

 

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