Wo ist die Not am größten?

Eigentlich macht mir die Arbeit als Vorstand und Geschäftsführer einer Stiftung für soziale Gerechtigkeit viel Freude. Weil ich immer wieder sehe, wie viele Menschen in Projekten ver-suchen, Not zu lindern und den Benachteiligten zu helfen.

In den letzten Monaten allerdings wächst mir alles über den Kopf. Wenn wir Ende Oktober im Stiftungsrat überlegen, wen wir unterstützen können, werden wir 12 Anträge beraten müs-sen. Mindestens ebenso viele musste ich schon im Vorfeld aussortieren, weil sie nicht unseren Förderkriterien entsprechen. Täglich bekommen ich Anrufe, E-Mails oder Briefe, in denen sich Hilfesuchende an uns wenden.

Dank Corona und Klimawandel kommen wir einfach nicht mehr hinterher. Unser Projekt des Jahres 2021 zum Beispiel heißt Gleiches Recht hinter den Grenzen. Anwälte arbeiten unter anderem im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos und versuchen, den Geflüchteten dort zu euro-päischem Recht zu verhelfen. Dann kam der verheerende Brand – und die Hilfe ging buchstäb-lich zunächst in Flammen auf.

Unsere Kirchengemeinde unterhält eine Partnerschaft mit Kirchen- und Sozialarbeit in Hey-derabat in Indien. Von Indien hört man derzeit kaum etwas – mit über 1.000.000 Infizierten und mehr als 100.000 Toten ist das Land auf Platz 2 der am meisten betroffenen Nationen der Welt.

Unsere Mittel in der Kirche und in der Stiftung sind natürlich begrenzt. Und so müssen wir auswählen – zwischen brennender Not und weniger kritischen Situationen. Das ist eine Auf-gabe, um die niemand unseren Stiftungsrat beneidet. Ich bete dafür, dass wir die Weisheit haben, die Projekte auszusuchen, die unsere Hilfe am nötigsten brauchen. Wenn das über-haupt möglich ist.

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