Wir können stolz auf uns sein

Mahler meint am 08.09.15.
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Ja, ich weiß, wir haben es verlernt. Das heißt – eigentlich blitzte es auf im Sommermärchen 2006 – deutschen Fahnen durften wieder geschwenkt werden. Wir waren stolz auf uns. Nicht, weil wir die Besten waren, sondern weil wir der Welt ein guter Gastgeber waren. Freundliche, nicht überhebliche Deutsche. Die Folge: Die Touristen strömen, wir haben das Bild vom hässlichen Deutschen in der Welt getilgt.
Sommer 2014. Deutschland überrollt sogar die Fußball-Supernation Brasilien. Wir demütigen den Rest der Welt – mit Spielfreude. Und trotzdem, da war sie wieder. Die deutsche Übermacht. Sympathisch, nicht überheblich. Aber wir dürfen das nicht – wir nicht. Die Geschichte hängt immer noch bleischwer an unseren Beinen.
 
Das vergangene Wochenende dauerte eigentlich bis gestern, bis Montag. Das Länderspiel gegen Polen: die deutsche Fußballnationalmannschaft hat zu alter Spielfreude zurück gefunden. Fast wie in Brasilien im letzten Jahr. Gegen Schottland gestern Abend war’s ein Arbeitssieg mit spielerischen Elementen. Was soll’s. So gut wie qualifiziert.
 
Am Wochenende brannten wieder Asylunterkünfte. Aber: Die Hilfsbereitschaft der Deutschen ist weitaus bemerkenswerter. 6 Milliarden Euro aus der Hüfte, Tausende, die Fremde Willkommen heißen. Kleine und große Gesten der Hilfsbereitschaft. Das wiegt viel schwerer als Brandstifter und dumpfbackige Fremdenhasser.
 
Was hat das Alles miteinander zu tun? Unsere Nationalkicker heißen Özil, Gündugan, Boateng, Can, Mustafi, Bellarabi, Khedira. Wir leben Multikulti. Wir heißen willkommen. Wir helfen, wo wir können. Wir lassen die Hasser ins Leere laufen. Das ist Deutschland 2015. Mein Deutschland, auf das ich stolz bin. Na ja, wenigstens ein bisschen.
 
 

Wir können stolz auf uns sein
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