Wer billig kauft, kauft zwei Mal – Was ist dran?

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Die Deutschen sind Weltmeister bei der Schnäppchenjagd. Locken Tiefstpreise und Rabattaktionen heißt es für viele Verbraucher: Zuschlagen. Jedoch holen sie sich mit dem Preiswunder nicht nur Freude ins Haus. Speziell bei Elektronik und Haushaltsgeräten greift das altbekannte Sprichtwort „Wer billig kauft, kauft zweimal.“ Dass sich gut und günstig oftmals ausschließen liegt nicht zuletzt an der Profitgier der Hersteller.

 

Geplante Obsoleszenz – darum können Schnäppchen schnell zur Geldfalle werden

Die Waschmaschine für 200 Euro gibt bereits nach der dritten Wäscheladung den Geist auf. Der billige Toaster spuckt nach einem halben Jahr nur noch schwarze Scheiben aus. Der Schnäppchen-Trockner wartet bis kurz nach Ablauf der Garantie, um verdächtige Geräusche von sich zu geben. Dass zahlreiche Elektro- und Haushaltsgeräte bereits nach wenigen Jahren ihre Funktionalität einbüßen, ist kein Zufall. Verbraucherschützer sprechen von der „geplanten Obsoleszenz“. Bei diesem Phänomen bauen die Hersteller absichtlich Schwachstellen in ihre Geräte, um deren Lebensdauer zu verkürzen. Was zunächst paradox klingt, ergibt aus Sicht der Unternehmen Sinn. Immerhin müssen die geplagten Verbraucher in neue Gerätschaften investieren, sodass die Industrie von satten Gewinnen profitiert.

 

Speziell bei Kleingeräten und kleinen Haushaltshelfern geht eine Reparatur ins Geld, sodass sie sich für die Besitzer nicht lohnt. Diesen bleibt nichts anderes übrig, als Toaster und Co. neuzukaufen – und sich schlimmstenfalls erneut über eine künstlich reduzierte Haltbarkeit zu ärgern. Vorwiegend bei vermeintlichen Schnäppchen ist die Gefahr eines zeitnahen Defekts hoch. Aufgrund des geringen Kaufpreises und der oftmals hohen Kosten für Ersatzteile ist der Neukauf die logische Folge. Zugleich geben die Hersteller den Verbrauchern in der Werbung das Gefühl, ein veraltetes Gerät zu besitzen. Auch diese „psychologische Obsoleszenz“ tritt vorwiegend bei sehr günstiger Technik auf.

 

Die Preise für Haushaltsgeräte sinken stetig. Das zeigt bereits ein Blick auf den Verbraucherindex. Dieser gibt die prozentuale Veränderung des Preisniveaus bestimmter Warengruppen an. Im Bereich der Haushaltsgeräte lag der Indexwert im Jahr 2018 bei 92,4 Punkten. Obwohl immer mehr Schnäppchen im Handel angeboten werden, ist es nicht immer ratsam, darauf einzugehen. Damit sich das Preiswunder nicht als Sorgenkind entpuppt, sollten Verbraucher auf Folgendes achten:

  • Hochwertige Elektrogeräte sind nicht verklebt, sondern verschraubt.
  • Vor dem Kauf empfiehlt sich eine Anfrage, wie lange Ersatzteile voraussichtlich verfügbar sind.
  • Ein genauer Blick auf die Herstellergarantie schützt vor bösen Überraschungen.
  • Zu niedrige Preise sollten bei den Käufern Misstrauen erregen.

 

Das Motto vieler Hersteller: Was lange hält, bringt kein Geld

Zahlreiche Haushaltsgeräte halten nur so lange wie unbedingt nötig. Die günstigen Preise und die geringe Haltbarkeit bedingen einander nicht nur aufgrund der geplanten Obsoleszenz. Diese konnte übrigens auch bei einer Untersuchung des Umweltbundesamts nicht nachgewiesen werden. Die Billigangebote sollen die Verbraucher zum Kaufen animieren. Um Elektronik, Haushaltsgeräte und Co. günstig anbieten zu können, müssen in der Produktion Abstriche gemacht werden. Statt Qualität steht die Quantität im Vordergrund. Unsere Wegwerf-Gesellschaft spielt diesem Trend in die Hände. Immer häufiger werden Altgeräte durch neue ersetzt. Zahlreiche Käufer legen keinen Wert auf Langlebigkeit, sondern geben der Modernität den Vorzug. Auch hier ist es die Werbung, die ihnen einredet, keinesfalls auf die neusten Features verzichten zu können.

 

Der Kaufwahn und die Billigproduktion bedingen einander. Um möglichst schnell neue Produkte auf den Markt zu bringen, setzen zahlreiche Hersteller auf verringerte Produktionskosten. Bei Mixern und Rasierapparaten ersetzen sie die Metallzahnräder beispielsweise durch günstigen Kunststoff. Die Gehäuse von Kleingeräten werden nur noch verklebt statt verschraubt. Bei den elektronischen Bauteilen reicht oftmals die preisgünstigste Variante. Dass diese sich nicht durch ihre hohe Funktionalität auszeichnet, ist in der Branche kein Geheimnis. In der Regel sind es sogar diese Cent-Artikel, die ein frühes Ende finden und das ganze Haushaltsgerät lahmlegen. Übrigens scheitert eine Reparatur oft an den Bauteilen, sie Hersteller absichtlich so verbauen, dass an sie kein Herankommen ist.

 

Klasse statt Masse: Darum lohnt sich der Qualitätskauf

41236_Pixabay.com © Stevepb CCO Public DomainQualität hat ihren Preis, besagt ein weiteres bekanntes Sprichwort. Das wissen inzwischen auch viele Verbraucher, sodass in der Gesellschaft ein Umdenken einsetzt. Die Billigproduktion, das Wegwerfen und Neukaufen bedeuten nicht nur eine Belastung für das Portemonnaies. Auch die Umwelt leidet unter dem Konsumwahn. Die Politik reagiert auf das Fiasko und zwingt die Hersteller zu mehr Qualität. Bereits seit September 2017 verbietet es eine EU-Richtlinie den Staubsaugerherstellern, Geräte, die weniger als 500 Betriebsstunden durchhalten, auf den Markt zu bringen. In einem Vier-Personen-Haushalt entspricht das mehr als einem Jahrzehnt.

 

Eine hochqualitative Waschmaschine oder ein funktionaler Trockner kosten teilweise einen Monatslohn. Fehlt für die wichtige Anschaffung das nötige Kleingeld, können Kredite mit kurzer Laufzeit Abhilfe schaffen. Wer schnell einen Ersatz für ein Kleingerät braucht, kann zu einem Kleinkredit greifen. Jedoch sollte abgewogen werden, ob die Kreditaufnahme wirklich nötig ist oder sich anderweitig beholfen werden kann. Unter Umständen kann es sinnvoll sein, das Altgerät zu reparieren, statt eine Neuanschaffung zu tätigen. Dabei muss nicht immer der kostspielige Elektriker ins Haus gerufen werden. Speziell bei kleinen Haushaltsgeräten bietet sich der Besuch in einem Reparaturcafé an. Allein in Deutschland finden sich über 600 dieser Initiativen. Hier unterstützen Experten Laien kostenfrei dabei, kaputte Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräte wieder fit zu machen. Als mögliche Veranstalter kommen Kirchen, Umweltorganisationen und gemeinnützige Vereine infrage. Einen Überblick finden Interessierte auch im Internet.

 

 

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