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Was soll mer au immer schwätze?

Ich frage mich schon lange, wer sich das eigentlich antut.

Das Gequatsche vor dem Spiel, in der Halbzeit und hinterher. Und danach noch Waldis WM Club, Schnauze Simon oder Oberlehrer Beckmann in seiner Sportschule. Die meisten machen es doch so wie ich, vermute ich mal: Vor dem Spiel ist Grillen und Chillen, pünktlich zur Nationalhymne wird eingeschaltet, in der Pause ist Nachschub holen und Entsorgen angesagt und nach dem Spiel – je nach Tagesprogramm morgen – Nachfeiern oder Matratzenhorchen.

 

Seit Uli Potofski und Günter Netzer 1988 das Expertengespräch auf SAT 1 erfunden haben gibt es dieses Fußball-Zerreden jetzt schon. Liebe Programmdirektoren, merkt ihr was? Das interessiert keine Sau mehr. Egal, ob die sogenannten Experten Oliver Kahn oder Mehmet Scholl heißen. Und jetzt hat sich Mehmet erdreistet, unseren Bundesjogi zu schelten. Mein lieber Scholli, das machen wir doch selber! Als wir die Aufstellung zur Kenntnis nahmen, sahen wir doch selbst unser eigenes Italien-Balutelli Trauma auferstehen, mit Sixpack, geballten Fäusten und allem drum und dran.

 

Und überhaupt: Wir sind die Experten. Wir wissen es besser und basta. Wir brauchen keine betroffenen Minen und schlauen Sprüche. Ich kann’s auch kurz machen und mit dem schwäbischen Satiriker, Schnellschwätzer und brillanten Philosophen Matthias Riechling sagen: „Was soll mer au immer schwätze? Irgendwann emol isch halt alles g’schwätzt“. Also: setzen, Klappe halten, Thema verfehlt. Ich drehe heute Abend beim Public Viewing den Ton wie immer um 20:57 Uhr auf laut.

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