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Warum gerade ich? Mahler meint am 3. Januar 2019

160203_Mahlermeint_bannerAm Silvesterabend hatten wir Freunde eingeladen. Es wurde spät bzw. früh. Wir standen noch lange am Feuer im Garten und tauchten ein ins neue Jahr. Wir waren glücklich, dass wir einander haben. Die ersten verabschiedeten sich kurz nach eins. Sie waren mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Ein Paar übernachtete bei uns. Die anderen beiden machten sich mit dem Auto auf den Weg, die Freundin war den ganzen Abend vernünftig gewesen, was den Alkohol anging. Als wir am nächsten Morgen die Zeitung aufschlugen, stockte uns der Atem. Auf der Strecke hatte sich kurz nach eins ein fürchterlicher Unfall ereignet. Nebel auf einer Hochbrücke, Massenkarambolage, zwei Tote, 16 Schwerverletzte. Die Mail unserer Freunde kam am Abend: wir hatten die Ausfahrt verpasst, sind auf einem anderen als dem üblichen Weg nach Hause gefahren. Sonst – ja sonst hätte sie genau diese Brücke passiert. Wenn sie etwas früher aufgebrochen wären – dann wäre es vermutlich der Unfallzeitpunkt gewesen. In solchen Situationen reicht ein einfaches „Glück gehabt“ nicht aus. Mir nicht und unseren Freunden auch nicht. Zur Dankbarkeit über Bewahrung vor Unglück, um die wir am Abend noch gebetet hatten an der Schwelle zum neuen Jahr mischt sich tiefes Mitleid mit den Angehörigen des getöteten Vaters und seines 10 jährigen Sohnes. Oft fragen wir: warum gerade ich? Fragen wir auch manchmal: Warum gerade ich nicht? Nein, wir sind nicht privilegiert und durch unseren Glauben und unsere Taufe unverwundbar wie Siegfried, der im Drachenblut gebadet hatte. Aber uns bleibt die Hoffnung, dass am Ende alles gut wird. Selbst in den Brüchen unseres Lebens. Da ist ein Vater, der uns hält. Im Leben und im Sterben.

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