Vor wem fliehen die Syrer?

Mahler meint am 07.09.15.
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Inzwischen hat mehr als die Hälfte der syrischen Bevölkerung das Land verlassen. Die große Mehrheit lebt in Flüchtlingslagern in den umliegenden Staaten Türkei, Libanon, Jordanien und im Irak. Vergleichsweise wenige setzen Ihre Flucht nach Norden fort – vorsichtige Schätzungen sprechen von bisher knapp 300.000 Asylanträgen in Europa und in den USA. Die Syrer sitzen in der Falle – und das gleich doppelt. Die Bedrohung durch den IS ist das eine, doch nach wie vor bombardiert der skrupellose Baschar Al-Assad die eigene Bevölkerung. Und dabei wird er immer offener von russischen Soldaten unterstützt. Angeblich nutzt Assad hochmoderne russische Suchoi-Kampfjets um verheerende Fassbomben auf Zivilisten niederregnen zu lassen.
US-Außenminister Kerry hat am Wochenende Klartext mit dem Kreml gesprochen. Er warnte seinen Amtskollegen Lawrow vor einer weiteren Eskalation der Auseinandersetzungen. Denn diese werden immer mehr zum klassischen Ost-West Konflikt vergangener Jahrzehnte. Hier die Anti-IS Front, zu der neben den US-Amerikanern die Türkei und wohl auch bald Frankreich und Großbritannien gehören. Deutschland unterstützt die Truppen, die den Vormarsch des IS stoppen wollen ja schon lange.
Russland nutzt trotz allem unbeeindruckt seinen letzten Stützpunkt in der Region für eigene strategische Ziele – die Präsenz im Mittelmeerraum. Es ist wie immer: Die Machtinteressen der Großmächte schert es einen Dreck, ob und wie die Zivilbevölkerung leidet. Anstatt sich geschlossen gegen die radikal-Islamistischen Terrortruppen zu Wehr zu setzen kochen die Allianzen in Ost und West ihr eigenes Süppchen. Es wäre Zeit, eine neue Allianz aufzubauen wie in den 1940 Jahren gegen Nazi-Deutschland. Der Gegner heißt heute IS – und er bedroht die ganze Welt nicht weniger als Adolf Hitler. Es ist richtig, die Flüchtlinge aufzunehmen – aber gleichzeitig muss die Krisendiplomatie weltweit am Laufen gehalten werden. Russland hat sich mit der Unterstützung Assads deutlich auf die Seite der Diktatoren gestellt. Das muss Konsequenzen haben.
 
 

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