Von der Seele reden


 
Von der Seele reden – der Kommentar von Prof. Dr. Klaus-Dieter Müller, Politik- und Medienwissenschaftler und Vorstand der „Stiftung: Christliche Werte leben“.
 
Montag, Mittwoch und Freitag, um 10:45 Uhr und 20:45 Uhr. Mehr Infos zur Stiftung auf www.christlichewerteleben.de
 
Schon wieder mehr Zwangsgeld für TV-Sender, aber immer schlechteres Programm
 
Der Rundfunkbeitrag soll ab Anfang 2021 von derzeit 17,50 Euro um 86 Cent auf dann 18,36 Euro pro Monat steigen. Das beschloss die Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) der Bundesländer am Donnerstag in Berlin.
 
Vom Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk werden insgesamt knapp acht Milliarden Euro eingenommen. Von diesen Beträgen werden 4,15 Milliarden fürs Programm und 2,2 Milliarden fürs Personal ausgegeben. Allein 500 Millionen Euro im Jahr kostet die Altersvorsorge der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Die britische BBC zum Beispiel kommt bei der Haushaltsabgabe mit nur etwas mehr als der Hälfte aus.
Der Rundfunkbeitrag (im Volksmund auch GEZ-Gebühr genannt) von monatlich 17,50 Euro ist für jede Wohnung fällig, auch wenn die Bewohner weder Fernseher, Radio noch Internetzugang haben. Meine 18jährige Enkelin kann nicht begreifen, warum sie Rundfunkgebühren bezahlen soll, weil sie keine Rundfunkgeräte mehr nutzt. Sie lebt 24 Stunden in der Welt des Internets, in der Welt von YouTube, Instagram und der bunten Welt der Portale.
 
Wenn das Programm von ARD und ZDF und ihrer über 100 Sender, von denen viele ausschließlich Abspielstationen von Wiederholungen sind, neue Formate bieten würde, die Zuschauer über alle Altersgruppen hinweg fesseln könnte, wäre ich sehr viel moderater. Aber ständige Wiederholungen am selben Tag, man denke an Bares für Rares, jeden Tag im Vorabendprogramm alberne Quizsendungen, die viele Medienwissenschaftler als Verdummungsprogramm bezeichnen, weil es um aus dem Zusammenhang gerissenes Wissen geht. Die ständigen Talkshows, die zu einer dramatischen Abnutzung von Gesichtern führen und nur alte Menschen noch interessieren. Die Nachrichtensendungen kommen zwölf Stunden zu spät. Ich schaue morgens auf mein Smartphone und bin über alles im Bilde, kann sogar die Berichte in allen Tageszeitungen mit einem Klick nachlesen. Da bekomme ich um 19 Uhr und um 20 Uhr Mitleid mit den Nachrichtenjournalisten, die dort die Erkenntnisse von gestern präsentieren müssen. Oder die ständigen Wiederholungen von allen Dokumentationen, die sich um Hitler und das sog. Dritte Reich drehen, von denen einige die kritische Distanz zum Regime auch vermissen lassen, haben mit dem Programmauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nichts zu tun.
 
Wenn es die unsäglichen Verflechtungen der Sender mit den Politikerinnen und Politikern nicht gäbe, die an Personal- und Programmentscheidungen nicht unmaßgeblich über die Gremien der Anstalten mitwirken, und natürlich bei vielen Events in der ersten Reihe sitzen, würden die Sparauflagen deutlich anders ausfallen. Die Zeit geht über sie hinweg. Schade.
 
Ich wünsche Ihnen einen glücklichen Tag, aber bleiben Sie achtsam.
 
 
 
Von der Seele reden
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