Von der Seele reden


Von der Seele reden – der Kommentar von Prof. Dr. Klaus-Dieter Müller, Politik- und Medienwissenschaftler und Vorstand der „Stiftung: Christliche Werte leben“.
 
Montag, Mittwoch und Freitag, um 10:45 Uhr und 20:45 Uhr. Mehr Infos zur Stiftung auf www.christlichewerteleben.de


Was war noch mit dem Brexit?

Die ersten 100 Tage sind vorbei, da die Briten nicht mehr zur EU gehören. Jahrelang mussten wir uns mit immer neuen Meldungen beschäftigen. Jetzt hört man kaum noch etwas. Überlagert Corona alles? Oder gibt es gar keine Gewinner oder Verlierer?
Der Brexit trifft die Branchen sehr unterschiedlich, grundsätzlich verliert Großbritannien aber als Handelspartner für die deutsche Wirtschaft an Bedeutung, ist von Analysten zu hören. Nach aktuellen Berechnungen der EU-Kommission führt der Austritt der Briten beim Bruttoinlandsprodukt der EU bis Ende 2022 zu einem Minus von gerade einmal 0,5 Prozent. Im Vereinigten Königreich sinkt die Wirtschaftskraft dagegen um 2,25 Prozent.
Die deutsche Fischerei rechnet mit 90 Millionen € Umsatzeinbußen pro Jahr, aber die Briten sind nicht die Profiteure, weil Franzosen und Spanier jetzt deutlich weniger Fisch von den Briten abnehmen. Seit dem Inkrafttreten des neuen Handelsabkommens zwischen der EU und Großbritannien ruckelt es im Warenverkehr zwischen der Insel und dem Kontinent: Weil sich viele Abläufe vor allem bei der Zollabwicklung noch einspielen müssten, stecken viele Lastwagenfahrer laut Branchenverband oft stundenlang auf britischer Seite fest. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen hätten große Probleme, die neuen Regelungen zu überblicken und einzuhalten, kritisiert der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL). Das Ganze ist ein sehr lästiger bürokratischer Akt, der Geld kostet, keinen Mehrwert bringt, der einfach nur nervig ist, hört man allerorten.
Was ist mit den Schotten? Umfrageergebnisse vermuten bei einer Volksabstimmung über den Verbleib im Königreich einen hauchdünnen Vorsprung für den Verbleib. Für die schottischen Parlamentswahlen im Mai prognostizieren Meinungsforscher allerdings der für den Austritt Schottlands eintretenden Regierungschefin nunmehr 72 Sitze und somit die absolute Mehrheit. Sollte dies geschehen, so versprach Sturgeon, werde sie Premier Johnson eine Volksabstimmung abringen – und sie notfalls auch ohne seine Einwilligung durchführen. Es bleibt spannend auf der Insel.
Das Ganze aber schwächt nicht nur Britannien, natürlich auch die EU. Wir haben es mit China und Indien als Partner und Kontrahenten gleichermaßen zu tun. Da haben alle Europäer nur eine Chance als starkes Bündnis.
Ich wünsche Ihnen einen glücklichen Tag, aber bleiben Sie achtsam.


Die Sendung zum Nachhören:


 
 

Von der Seele reden
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