Von der Seele reden


Von der Seele reden – der Kommentar von Prof. Dr. Klaus-Dieter Müller, Politik- und Medienwissenschaftler und Vorstand der „Stiftung: Christliche Werte leben“.
 
Montag, Mittwoch und Freitag, um 10:45 Uhr und 20:45 Uhr. Mehr Infos zur Stiftung auf www.christlichewerteleben.de


Werte und eine veränderte Definition von Erfolg

“Einzig der freie Markt und die Demokratie bringen Wohlstand und Zufriedenheit”: Dieser Glaubenssatz war jahrzehntelang eines der Leitmotive der Gesellschaft. Das Versprechen lautete: Wer durch seine Arbeit Wohlstand erreicht und seine Meinung frei äußern kann, wird glücklich. Dieses Versprechen gilt heute lange nicht mehr für alle. Die Wachstumsraten bleiben in entwickelten Staaten gering. Der Mittelstand profitiert kaum noch. Die Globalisierung produziert viele Verlierer. Kurz: Die Gesellschaft muss sich neu erfinden. Doch wie soll das gehen? Die Elitenratlosigkeit spiegelt sich in der Unsicherheit im Volk.
Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich zu viele Zeitgenossen als leeres Behältnis wahrnehmen, das nur mit gut bezahlten Jobs, möglichst vielen Besitztümern, belangloser Kommunikation und positiven Emotionen gefüllt werden muss, um dauerhaft glücklich zu sein. Ein solcher Mensch aber lebt in einer Traumwelt, er erfreut sich an Dingen, die so nicht existieren. Wenn es uns gelingt, unsere Erfolgs- und Glückskriterien neu zu bestimmen, schafft das Raum für ein anderes Miteinander und die Erhaltung der Welt. Gleiches gilt für Unternehmen.
Erfolgreich war ein Unternehmer/eine Unternehmerin bisher, wenn er oder sie seine/ihre wirtschaftlichen Zwecke möglichst effizient erreichte, also mit wenig Kosten den höchsten Gewinn erzielte. Unter den heutigen Bedingungen müssen er und sie nicht nur die Zwecke möglichst effizient erreichen, sondern zugleich auch den Bestand sichern. Wesentlich ist hierbei die Erkenntnis, dass Bestandssicherung nicht mehr allein der Rationalität der Effizienz folgt, sondern vor dem Hintergrund sozialer und ökologischer Tatsachen auch effektiv, d. h. am Wohl der Gesellschaft Orientierung finden muss.
Seit der Erkenntnis der Grenzen unserer Möglichkeiten, die unsere eigene Existenz bedingen, versuchen wir, die Kluft zwischen Wissen und Handeln zu überwinden. Es gibt viele Bemühungen, den Weg des quantitativen Wachstums zu verlassen und ein qualitatives Wachstum anzustreben. Trotz aller Bemühungen geht die zügellose Ausbeutung von natürlichen und sozialen Ressourcen in unserer Gesellschaft aber weiter. Aber warum ändern wir unser Verhalten nicht radikal, um nicht weiter den zerstörerischen Regeln des Turbo-Kapitalismus in unserer Gesellschaft zu folgen? Weil viel zu viele von uns Menschen undiszipliniert sind. Selbst wenn zum Beispiel großer gesundheitlicher Schaden droht. Schauen wir auf die Corona-Zahlen.
Die Egoisten und Possenreißer beherrschen die Bühne. Tauschen wir sie doch aus durch Harlekine, die uns hintergründig und mit spitzer Zunge ebenso unterhaltsam den Spiegel vorhalten.

Ich wünsche Ihnen einen glücklichen, aber auch nachdenklichen Tag und bleiben Sie achtsam.


Die Sendung zum Nachhören:


 
 

Von der Seele reden
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