Von der Seele reden


Von der Seele reden – der Kommentar von Prof. Dr. Klaus-Dieter Müller, Politik- und Medienwissenschaftler und Vorstand der „Stiftung: Christliche Werte leben“.
 
Montag, Mittwoch und Freitag, um 10:45 Uhr und 20:45 Uhr. Mehr Infos zur Stiftung auf www.christlichewerteleben.de


Politik, Wirtschaft und Verantwortung
 
Es ist der handelnde Mensch, der für die Folgen seines Tuns einstehen muss. An dieser Stelle geht es vor allem auch um die Führung von Menschen durch verantwortungsvolle Entscheidungsträger. Das ist ein kompliziertes Thema, denn es berührt als erstes die Frage, ob unsere politischen und wirtschaftlichen Repräsentanten intellektuell, vor allem aber auch charakterlich in der Lage sind, nicht vor allem ihre eigenen Interessen und die ihrer Eigentümer im Kopf zu haben, sondern bei allem Tun das Gemeinwohl zur Richtschnur ihres Handelns zu machen. Es geht also um die Auswahl von Führungspersonal in einer Demokratie.

Wer politische Verantwortung trägt, der gehört einer Funktions- und einer Machtelite an; er / sie sollte auch einer Wertelite angehören. Die Demokratie muss ein Verfahren zur wettbewerblichen Auslese der Eliten finden und installieren. Wir werden gerade wieder Zeugen, wie sich Abgeordnete selbst bedienen. Die vielen Rücktritte von CDU/CSU-Abgeordneten wegen ihrer schamlosen Ausnutzung der Pandemie für die eigene Bereicherung sind nur ein Beweis für die Charakterlosigkeit von Entscheidungsträgern. Das gilt für alle Parteien, aber auch für unsere Entscheider in der Wirtschaft, wie wir an vielen Skandalen sehen können. Wie können wir das ändern?

Ein sinnvoller Schritt ist sicher größere Transparenz in Bezug auf die unsäglich vielen Lobbyisten in unseren Parlamenten, weil mehr Einblicke in deren Tätigkeit auch schneller zu den Entscheidungsträgern führen, die sich von ihnen beeinflussen und schlimmstenfalls auch bezahlen lassen. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion blockiert bzw. versucht, das Transparenzregister nach wie vor zu blockieren bzw. zu verwässern.

Abgeordneten pauschal alle Nebentätigkeiten zu untersagen, ist sicher kein geeignetes Mittel, sie müssen alle nach einigen Jahren wieder in Ihren Beruf zurück. Da ist es sicher gut, wenn sie den Kontakt zu ihrem Berufsfeld nicht völlig verlieren. Aber absolute Transparenz muss auch hier gelten. Wir wollen nachvollziehen können, ob ein/e Abgeordnete/r sinnvolle Nebentätigkeiten ausführt oder aber erst als Mitglied eines Parlaments eine Beratungsgesellschaft gründet, um aus seinem/ihrem Mandat Kapital zu schlagen.

Für mich aber ist entscheidend, dass wir Wege finden, Entscheidungsträger/innen, ob in der Politik oder in der Wirtschaft, an dem Schaden, den sie in Ausübung ihrer Funktionen angerichtet haben, angemessen zu beteiligen. In der Wirtschaft ist das grundsätzlich auch vorgesehen, und dennoch werden viele Schädlinge in Führungspositionen mit großen Summen abgefunden, damit sie keine Firmengeheimnisse ausplaudern. Abgeordnete und Minister bekommen mit Erreichung ihrer Altersgrenze entsprechende Versorgungsleistungen. Wenn alle Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft wüssten, dass bei ihrem Ausscheiden eine unabhängige Kommission darüber entscheiden würde, ob sie an den Folgen ihrer Tätigkeit beteiligt werden, würde so manche Entscheidung anders ausfallen.

Ich wünsche Ihnen einen glücklichen Tag, aber bleiben Sie achtsam.


Die Sendung zum Nachhören:


 
 

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