Von der Seele reden


Von der Seele reden – der Kommentar von Prof. Dr. Klaus-Dieter Müller, Politik- und Medienwissenschaftler und Vorstand der „Stiftung: Christliche Werte leben“.
 
Montag, Mittwoch und Freitag, um 10:45 Uhr und 20:45 Uhr. Mehr Infos zur Stiftung auf www.christlichewerteleben.de


Kapital und Gesellschaft müssen sich neu finden
 
VW und der Dieselskandal, der Cum-Ex-Betrug, bei dem sich durch Tricks Kriminelle mit weißem Kragen Steuern zurückzahlen ließen, die sie nie entrichtet hatten, der Wirecard-Betrugsskandal, 2018 verurteilt ein Dresdner Gericht fünf Führungskräfte des Finanzdienstleisters Infinus zu Freiheitsstrafen. Sie hatten gut 22.000 Anleger um 300 Millionen Euro geprellt. Die Aufzählung kann um viele Beispiele erweitert werden.

„Die Nabelschnur zwischen dem Eigeninteresse der Einzelnen und den Belangen der Gesellschaft ist durchtrennt“, schreibt die Juristin Katharina Pistor von der New Yorker Columbia Law School. „Was früher der Landbesitz war, ist heute das globale Rechts- und Finanzsystem.“ Wer weiß, die Klaviatur des internationalen Rechts brillant zu spielen, kommt mit seinen Betrügereien meist ungeschoren davon. Der englische Wirtschaftswissenschaftler Jonathan Aldred beschreibt die mögliche Ursache: „Die gesamte Vorstellungswelt vieler Leistungsträger wird derart vom Interesse an Rendite, Effizienz und Gewinnmaximierung beherrscht, dass die alten bürgerlichen Werte (Tugend und Anstand, Maß und Mitte) darin völlig lächerlich wirken.“ Er spricht vom ökonomischen Imperialismus, vom Denken in ausschließlich wirtschaftlichen Kategorien.

Das Weiter so aber kann sich unsere Gesellschaft nicht mehr leisten. Das quantitative Wachstum um jeden Preis vernichtet die Ressourcen unserer Umwelt, der Klimawandel und die wirtschaftliche Ausbeutung der Entwicklungsländer führt zu immer größeren Fluchtbewegungen, denen wir nicht gewachsen sind, die Eroberung von immer mehr Freiräumen der Tierwelt führt zu Pandemien, die wir nur noch schwer unter Kontrolle bekommen, der Mittelstand kann kaum noch Eigentum bilden, die Verteilung des Vermögens erinnert an die Zeit vor der Französischen Revolution. Wenn wir nicht schnell dazu kommen, gesellschaftliche Werte wieder zur Richtschnur auch wirtschaftlichen Handelns zu machen, zerbricht das kapitalistische System an einem der beschriebenen Umstände. Darum dürfen wir alle nach der Corona-Pandemie nicht wieder in den Kaufrausch verfallen, unsere Ernährung umstellen, darauf achten, was ich bei wem kaufe und wie es hergestellt wurde. Und der Gesetzgeber muss den internationalen Finanzsektor sehr viel genauer kontrollieren und Verstöße drastisch ahnden. Unsere Bankenaufsicht BAFIN ist sicher nicht der geeignete Partner. Der Kapitalismus muss an die Leine unserer christlichen Werte gelegt werden. Dann hat er und vor allem haben auch wir und unsere Kinder eine sichere Zukunft.

Ich wünsche Ihnen einen glücklichen Tag, aber bleiben Sie achtsam.


Die Sendung zum Nachhören:


 
 

Von der Seele reden
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