Von der Seele reden


Von der Seele reden – der Kommentar von Prof. Dr. Klaus-Dieter Müller, Politik- und Medienwissenschaftler und Vorstand der „Stiftung: Christliche Werte leben“.
 
Montag, Mittwoch und Freitag, um 10:45 Uhr und 20:45 Uhr. Mehr Infos zur Stiftung auf www.christlichewerteleben.de


Frauen in technischen Berufen
 
Am 8. März war Internationaler Frauentag. Er wirbt seit mehr als 100 Jahren auf allen Kontinenten für Gleichberechtigung. Das Arbeitsleben spielt dabei nicht die einzige, aber dennoch eine wichtige Rolle. Seit Jahren bemühen sich Wirtschaft, Politik und Bildungsinstitutionen, Frauen für technische und naturwissenschaftliche Berufe zu begeistern. Ein nationaler Pakt für Frauen in Mint-Berufen (Mint steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) wurde gegründet, technische Betriebe öffnen ihre Pforten für Mädchen-Schnuppertage und Unternehmen sind gehalten, bei gleicher Eignung Frauen einzustellen. Die Maßnahmen sind vielfältig und zeigen Wirkung. Der Frauenanteil unter den MINT-Studierenden beträgt in Deutschland etwa ein Drittel. Das ist im internationalen Vergleich immer noch niedrig, auch zumindest hat sich die Zahl der Studienanfängerinnen in diesen Fächern in den vergangenen zwölf Jahren verdoppelt. Der Anteil der weiblichen Beschäftigten in MINT-Berufen ist aber deutlich niedriger: er beträgt gerade einmal ein Sechstel – und das, obwohl Experten betonen, dass im Zuge der Digitalisierung die Karrierechancen insbesondere im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) besser denn je seien. Insbesondere klischeehafte Rollenbilder wie die des “Computer-Freaks” würden so gut wie ausschließlich für junge Männer gebraucht. “Viele Frauen fürchten sich davor, von ihrer `Weiblichkeit´ einzubüßen, wenn sie sich auf dieses männlich besetzte Terrain vorwagen. Sie entscheiden sich dann nicht selten gegen ein Informatik-Studium, obwohl sie ein gewisses Interesse dafür durchaus mitbringen“, lese ich bei Heise-Medien über die Ergebnisse einer Studie an der Universität Ulm.

Ich glaube nicht, dass es hier um Image geht. Zum einen hängen viele Familien immer noch an alten Klischees, die Mädchen tragen Rosa, die Jungs Blau, die Mädels bekommen Puppen, die Jungs Autos und Metallbaukästen. Wenn´s Abitur geschafft ist, höre ich die Ratschläge für junge Frauen bei der Berufswahl in Familien: „Studiere doch am besten fürs Lehramt oder allenfalls noch Jura.“ Zum anderen weiß ich sehr genau, wie viele meiner Professoren-Kollegen junge Frauen vor allem mit Kindern von den Bewerberlisten streichen, weil sie das Klischee beherrscht, diese fielen immer wieder wegen der Krankheiten ihrer Kinder aus.

Der Wohlstand einer modernen Gesellschaft hängt immer mehr vom Wissen ab – Wissen, das in technischen Fortschritt umgesetzt wird. Dabei geht es zukünftig vor allem darum, die Qualität der Produkte und den Produktionsprozess zu verbessern, ihn zum Bespiel ressourcensparender und damit umweltschonender machen. Dafür brauchen wir mehr Frauen in den technischen Disziplinen, weil aus meiner Erfahrung Frauen sehr viel engagierter – gerade aus Verantwortung für ihre Kinder – den Wandel unserer Gesellschaft hin zu nachhaltigem Produzieren und verantwortungsbewusstem Leben verfolgen.

Ich wünsche Ihnen einen glücklichen Tag, aber bleiben Sie achtsam.


Die Sendung zum Nachhören:


 
 

Von der Seele reden
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