Von der Seele reden


Von der Seele reden – der Kommentar von Prof. Dr. Klaus-Dieter Müller, Politik- und Medienwissenschaftler und Vorstand der „Stiftung: Christliche Werte leben“.
 
Montag, Mittwoch und Freitag, um 10:45 Uhr und 20:45 Uhr. Mehr Infos zur Stiftung auf www.christlichewerteleben.de


Das Superwahljahr 2021
 
Die Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz haben für mich zweierlei gezeigt. Zum einen strafen die Wählerinnen und Wähler nicht Parteien pauschal ab, es geht ihnen durchaus um regionale Unterschiede, die sich vor allem an den Spitzten der Parteien festmachen. „Demokratie braucht Charisma“, hatte schon Max Weber, der große deutsche Soziologe, gesagt. In Baden-Württemberg, mit einer durchaus konservativ-pragmatischen Bevölkerung werden DIE GRÜNEN unter Kretschmann stärkste Partei, in Rheinland-Pfalz wird es die SPD unter Malu Dreyer. Beide haben eine charismatische Ausstrahlung, sind überaus korrekt und haben eine solide Regierungsarbeit geleistet. Die CDU erreicht historische Tiefpunkte, weil die aktuellen Korruptionsaffären die unsägliche Nähe der Partei zu Unternehmen deutlich machte und die Einstellung immer noch zu vieler Unternehmer und Unternehmerinnen auf einige von ihnen gewirkt zu haben scheint, die meinen, dass alles, was wirtschaftlich erforderlich scheint und Gewinne bringt, auch erlaubt sei. Hinzu kommt das Komplett-Versagen der CDU/CSU-Minister Spahn und Scheuer, die jetzt die Task-Force bilden für eine schnelle Selbsttest-Organisation. Ein Witz, wenn es nicht so traurig wäre. Der Schaden für unser Land in der internationalen Wahrnehmung ist nicht mehr zu beschreiben, man lacht weltweit über uns. Vielleicht sollten gerade international tätige deutsche Konzerne für die Ablösung der beiden Politiker sorgen, denn auch ihr Image leidet unter der Erfolglosigkeit dieser beiden Herren.

Zum anderen zeigt sich in beiden Bundesländern, dass es zukünftig offenbar sehr viel mehr Koalitionsmöglichkeiten als die Große Koalition geben wird. In BW wird aller Wahrscheinlichkeit nach Grün/Schwarz weiterregieren, in Rheinland-Pfalz eine Ampelkoalition Rot/Gelb/Grün. Auch Koalitionen mit Freien Wählern, wie in Bayern, sind möglich, nicht zu vergessen auch Rot/Rot/Grün oder Schwarz/Grün/Gelb. Hierin sehe ich für unsere Demokratie eine Bereicherung, die dem „Immer-Weiter-so“ ein Ende bereiten könnte. Vor allem wird das heillose Gerede um die Mitte hoffentlich ein Ende finden, denn die sogenannte Mitte ist nichts weiter als ein Trick, die vielen Ausreißer in der Gesellschaft zu ignorieren, und von den vielen Ungerechtigkeiten und der desaströsen Verteilung des Vermögens und der Chancen in Deutschland abzulenken.

Positiv an den ersten Landtagswahlen ist auch, dass die AfD stagniert. Selbst die Bürgerinnen und Bürger, die zu Protest gegen das politische Establishment neigen, wählen in Krisenzeiten nicht die AfD, weil diese keine belastbaren Sachargumente liefern.

Ich freue mich, sagen zu können, die deutsche Wählerschaft differenziert sehr wohl bei ihrer Wahlentscheidung und ist weit davon entfernt, als frustrierte und bewegungsarme Masse wahrgenommen zu werden. Das beruhigt.

Ich wünsche Ihnen einen glücklichen Tag, aber bleiben Sie weiter achtsam.


Die Sendung zum Nachhören:


 
 

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