Von der Seele reden


Von der Seele reden – der Kommentar von Prof. Dr. Klaus-Dieter Müller, Politik- und Medienwissenschaftler und Vorstand der „Stiftung: Christliche Werte leben“.
 
Montag, Mittwoch und Freitag, um 10:45 Uhr und 20:45 Uhr. Mehr Infos zur Stiftung auf www.christlichewerteleben.de


Jetzt Langzeitarbeitslosigkeit verhindern
 
Die Lage am deutschen Arbeitsmarkt hat sich dramatisch verschlechtert. Zwar beträgt die Arbeitslosenquote konstant zu Beginn des Jahres 6,3 %, aber seit mehr als einem halben Jahrhundert sind wieder mehr als eine Millionen Menschen langzeitarbeitslos in Deutschland. Sie suchen also mehr als ein Jahr vergeblich nach einem Job. Am stärksten trifft es dabei die Jüngsten: Bei den 15- bis 25-Jährigen verdoppelte sich zwischen 2020 und 2022 die Zahl der Langzeitarbeitslosen, bei den 25- bis 35-Jährigen stieg sie um 50 %. Das ist eine Entwicklung, die unbedingt gestoppt werden muss. Was kann man tun?
 
Qualifikation ist das wichtigste Mittel gegen Langzeitarbeitslosigkeit. Viele junge Menschen brechen die Ausbildung aus akuter Finanznot ab, wenn sie einen etwas besser bezahlten Hilfsjob ergattern können – auch, weil sie bereits eine Familie haben und diese besser versorgen wollen. Das könnte verhindert werden, wenn ihre Ausbildungsvergütung durch Zuschüsse oder Freibeträge über das Hartz-IV-Niveau gehoben würde. In diesem Zusammenhang kann ich auch anregen, dass soziale Einrichtungen, vielleicht auch Lions und Rotarier, Ausbildungspatenschaften übernehmen, um den Auszubildenden zu helfen, die schon aufgrund ihrer Familienverhältnisse kaum eine Chance haben, die Ausbildung durchzustehen. Ich habe das in meinem alten Wahlkreis vor Jahren mit viel Erfolg organisieren können.
 
Ein vielversprechender Ansatz sind die Jugendberufsagenturen, in denen im besten Fall Arbeitsagentur, Jobcenter, Jugendamt, Schulbehörde, Unternehmensverbände und Beratungsstellen zusammenarbeiten. Sie sollten flächendeckend eingerichtet werden – und könnten Vorbild sein, wie auch Langzeitarbeitslosen aus einer Hand geholfen werden kann. Diese aber dürfen nicht, wie häufig bei den Jobcentern, angelernten Berater/innen gegenüberstehen, es müssen schon Fachkräfte eingestellt werden.
Der Leiter der Prognoseabteilung am Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung fordert gar, dass Unternehmen bei der Einstellung von Langzeitarbeitslosen für einige Zeit die Sozialbeiträge vom Staat abgenommen werden sollten. Das würde ca. 5 Milliarden € in einem halben Jahr kosten, weniger als die Lufthansa mal eben als staatliche Unterstützung erhalten hat. Dagegen müsste man die Mittel rechnen, die der Staat spart, weil viele aus der Arbeitslosigkeit in Beschäftigung kämen.
 
Wer als Langzeitarbeitslose/r das Berufsleben beginnt, hat kaum noch eine Chance auf dem 1. Arbeitsmarkt. Darum müssen wir alle dafür sorgen, dass wir keine spanischen oder griechischen Verhältnisse bei uns bekommen, wo im Januar 2021 laut Statista die Jugendarbeitslosigkeit bei 39,9 % bzw. 34 % lag.
 
Ich wünsche Ihnen einen glücklichen Tag, aber bleiben Sie achtsam.
 
Die Sendung zum nachhören:


 
 

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