Von der Seele reden


Von der Seele reden – der Kommentar von Prof. Dr. Klaus-Dieter Müller, Politik- und Medienwissenschaftler und Vorstand der „Stiftung: Christliche Werte leben“.
 
Montag, Mittwoch und Freitag, um 10:45 Uhr und 20:45 Uhr. Mehr Infos zur Stiftung auf www.christlichewerteleben.de


Wer stirbt an Corona?
 
Klaus Püschel räumt im September letzten Jahres sein Büro im Institut für Rechtsmedizin am Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf. Der 68-Jährige machte zuletzt durch eine harte Aussage über Corona-Tote auf sich aufmerksam. In der Anfangszeit der Corona-Krise in Deutschland sagte Püschel, dass die Corona-Toten, die er untersucht hatte, sowieso gestorben wären. Heute sagt er: „Unsere Erfahrung mit den Corona-Toten war, dass sie alle schon vorher sehr krank waren und in ihrer Lebenserwartung sehr eingeschränkt“. Dafür hagelte es Kritik. „Es hat mir schon weh getan, dass einige das so aufgefasst haben, als wäre mir das Schicksal der Alten und Kranken egal. Denn das ist mitnichten der Fall.“ Nachfolger Püschels am UKE ist der 32 Jahre jüngeren Prof. Dr. Benjamin Ondruschka.
 
Jetzt meldet sich Ondruschka zu Wort: „In der Hansestadt wurden seit den ersten Todesfällen im März 2020 im Institut für Rechtsmedizin über 700 Verstorbene auf eine Sars-CoV-2-Infektion untersucht. Die Auswertung im Auftrag der Gesundheitsbehörde ergab: Bei 618 Fällen stellten die UKE-Mediziner eine Covid-19-Erkrankung als Todesursache fest. Konkret starben die meisten Infizierten an einer Pneumonie oder an den Folgen einer Thrombose. In sieben Prozent der Fälle waren die Verstorbenen zwar mit dem Sars-CoV-2-Erreger infiziert, die Infektion war aber nicht todesursächlich. Darüber hinaus entdeckten die UKE-Wissenschaftler, dass Hamburger Covid-19-Tote regelmäßig mehrere Vorerkrankungen hatten. 20 Prozent der Verstorbenen hatten den Angaben zufolge ein krankhaftes Übergewicht. Zu den häufigsten Vorerkrankungen zählen laut der Auswertung Bluthochdruck, eine chronische Niereninsuffizienz oder eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD). Das Durchschnittsalter der Hamburger Corona-Toten betrug nach Angaben des Instituts 83 Jahre. 75 Prozent der Verstorbenen seien älter als 76 Jahre gewesen. Nur sieben Tote, also nur gut ein Prozent, waren jünger als 50 Jahre.
 
Die Rechtsmediziner des UKE haben nach eigenen Angaben auch dazu beigetragen, eine Corona-Erkrankung besser zu behandeln: Da das Virus eben oft zu Thrombosen führt, werden Patientinnen und Patienten inzwischen vorsorglich mit einem Blutverdünner behandelt – also wie bei einem Schlaganfall. “Zwar haben unsere Obduktionen der Verstorbenen gezeigt, dass die Covid-19-Erkrankten trotz der Gabe von Blutverdünnungsmitteln noch Blutgerinnsel in den Lungenschlagadern aufweisen konnten”, sagte Benjamin Ondruschka. In der statistischen Auswertung hätten sich aber längere Überlebenszeiten seit einer Therapieumstellung gezeigt. Außerdem wisse man aus klinischen Studien, dass auch Entzündungshemmer wirksam seien, ergänzte er im Interview mit dem Hamburg Journal im NDR Fernsehen. Fest steht für mich: Man kann offenbar die Risikogruppen sehr viel genauer beschreiben. Und ich wundere mich, dass solche ernst zu nehmenden seriösen Ergebnisse nicht viel mehr in die Diskussionen und Maßnahmen einfließen. Je mehr man sich mit dem Thema beschäftigt, desto größer werden die Zweifel, dass bei den Verantwortlichen die richtigen Entscheidungen getroffen werden.
 
Ich wünsche Ihnen einen glücklichen Tag, aber Achtsamkeit ist allemal geboten.
 
Die Sendung zum nachhören:


 
 

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