Von der Seele reden


Von der Seele reden – der Kommentar von Prof. Dr. Klaus-Dieter Müller, Politik- und Medienwissenschaftler und Vorstand der „Stiftung: Christliche Werte leben“.
 
Montag, Mittwoch und Freitag, um 10:45 Uhr und 20:45 Uhr. Mehr Infos zur Stiftung auf www.christlichewerteleben.de


Die braune Internationale

Die Wochenzeitschrift DIE ZEIT berichtet über militante Neonazi-Gruppen in den USA, in Schweden, Russland, der Ukraine, den Niederlanden und in Deutschland. Wer glaubt, dass das alte Strickmuster „Deutschland den Deutschen“ immer noch gilt, irrt, denn in einem Expertenbericht für das deutsche Außenministerium steht es schwarz auf weiß: „In den vergangenen Jahren ist eine neue führerlose, transnationale, apokalyptische, (also auf Zerstörung und Untergang des Bestehenden ausgerichtete), gewaltorientierte rechtsextreme Bewegung entstanden.“ Dieser braunen Internationale geht es nicht mehr nur um ein Land, es geht um die „Verteidigung der weißen Rasse“. Auf der ganzen Welt leben Einwanderer, die ihren muslimischen Glauben nicht verstecken wollen – die „weiße Rasse“ ist bedroht. Der in Denver/USA lebende Vordenker dieser Träumer von einer faschistischen Revolution, James Mason, erklärt die Strategie: „Um das System ins Wanken zu bringen, muss die rechte Bewegung alles tun, was Anarchie und Chaos befördert – von zufälligen Schießereien bis zu gezielten Mordanschlägen. Am besten, man organisiert sich in kleinen Zellen. Wenn der Fahndungsdruck zu stark wird, löst man schnell eine Gruppe auf, die dann unter anderem Namen wieder neu beginnt. So, wie man die Unterwäsche wechselt.“ Das zuständige Gremium beim UN-Sicherheitsrat stellt fest, dass es von 2015 bis 2020 bei der Zahl der rechtsterroristischen Angriffe weltweit einen steilen Anstieg von plus 320 Prozent gegeben habe.
Wie kann das angehen, bekommen wir doch täglich Schreckensbilder aus Ländern, in denen der Terror wütet und/oder radikale Herrscher ihre Völker unterdrücken und wahllos Menschen zerstören. Zu viele Menschen haben immer noch Angst vor dem Anderen, denen, die anders glauben und leben, sich anders kleiden und zum Beispiel auch feiern. Die Neugier auf das Andere kennen sie nicht. Ich möchte auch an unseren Kirchtürmen bunte Blumen blühen sehen. Und dann sind da die Dschihadisten, die den Koran falsch auslegen und meinen, dass alle Andersgläubigen getötet werden dürften. Allah bittet für diese geistig Verirrten sicher um Vergebung. Die Nazis beziehen sich dann auch auf den Kampf der Dschihadisten, dem sie etwas entgegensetzen, es mit gleicher Münze heimzahlen wollen. Ich habe schon nicht verstanden, wie man als Ausländer in der Fremdenlegion hat kämpfen können und mich darüber oft mit meinem Freund Philipp Rosenthal, dem damaligen Eigentümer des bekannten Porzellanherstellers, gestritten, der dort einige Jahre verbracht hatte. Aber es scheint für viele nach wie vor eine faszinierende Vorstellung zu sein, für etwas kämpfen zu können. Da fallen mit die vielen Bundeswehrsoldaten ein, die zum Beispiel in Afghanistan waren, und unter schrecklichen Traumata leiden müssen. Hände weg von Waffen aller Art.
Ich wünsche Ihnen einen glücklichen, weil friedlichen Tag. Aber bleiben Sie achtsam.


 
 

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