Von der Seele reden


Von der Seele reden – der Kommentar von Prof. Dr. Klaus-Dieter Müller, Politik- und Medienwissenschaftler und Vorstand der „Stiftung: Christliche Werte leben“.
 
Montag, Mittwoch und Freitag, um 10:45 Uhr und 20:45 Uhr. Mehr Infos zur Stiftung auf www.christlichewerteleben.de


Zur Diskussionskultur in Deutschland

„Inzwischen ist in politischen Diskussionen, vor allem jenen mit Bezug auf gesellschaftliche Minoritäten, zu beobachten, dass Meinungen, die nicht mit dem vorherrschenden politischen Zeitgeist konform gehen, von der Meinungshoheit eben dieser unterdrückt werden. Letztere treten als Vertreter einer moralischen Instanz (political correctness) auf und bestimmen, was gedacht werden darf und was nicht. Vertreter der Islamverbände haben längst verstanden, wie sie daraus Profit schlagen können und genießen in ihrer beschützten Opferrolle Narrenfreiheit“, lese ich auf einer philosophischen Webseite.
In wichtigen gesellschaftlichen Debatten ist das Sprechen miteinander einem Sprechen gegeneinander gewichen. Das einzig Positive, was man in Trumps Präsidentschaft sehen kann: Wir haben gelernt, was die Menschen wirklich fühlen, obwohl das Sprechen darüber stets reglementiert war. In einem offenen Diskurs hingegen hätte man voneinander lernen, Vorurteile abbauen und Ängste thematisieren können. Sobald die Fronten erst einmal verhärtet sind und die Diffamierung des jeweils Anderen die Grundlage der eigenen politischen Identität geworden ist, ist der offene Diskurs zum Scheitern verurteilt.
In gesellschaftlichen Debatten in Deutschland werden in der Tat zunehmend andere Meinungen pauschal diskreditiert oder gar nicht erst in der Debatte zugelassen. Das gilt für die Kritiker/innen der Corona-Politik ebenso, wie für diejenigen, die eine andere Außenhandelspolitik fordern, weil sie davon überzeugt sind, dass es nicht zu verantworten ist, Flüchtlinge vor den Toren Europas krepieren zu lassen und ein ungehinderter Zuzug aus wirtschaftlichen Gründen auch niemandem hilft. Ich nenne das die Einschränkung des Nachdenkenswerten.
„Um geschlechterpolitisch etwas zu bewegen, braucht es Gleichgesinnte. Doch jene, die mit der Aktionsform der Schmähung gewonnen werden, wollen ausschließlich skandalisieren. Und jene Männer und Frauen, die Geschlechtergerechtigkeit längst leben, werden brüskiert. Das führt zu genau: nichts“, lese ich in der taz. Das gilt für alle Themen und gesellschaftlichen Gruppen. Den Ton auf schrill zu stellen und diesen Stilverlust als neuen Standard zu proklamieren, schließt all jene aus, die in der Sache auch etwas beitragen könnten und, so sie nicht gelassen werden, schnell ins Radikale abdriften. Nur so konnten Idioten wie Trump etwas werden.
Ich wünsche Ihnen einen glücklichen Tag, aber bleiben Sie achtsam.


 
 

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