Von der Seele reden


Von der Seele reden – der Kommentar von Prof. Dr. Klaus-Dieter Müller, Politik- und Medienwissenschaftler und Vorstand der „Stiftung: Christliche Werte leben“.
 
Montag, Mittwoch und Freitag, um 10:45 Uhr und 20:45 Uhr. Mehr Infos zur Stiftung auf www.christlichewerteleben.de


Kindesmissbrauch ist das widerlichste Verbrechen – und die Katholische Kirche schweigt

Das Erzbistum Köln zeigte nach Kardinal Woelkis Amtsantritt als Erzbischof von Köln am 20. September 2014 vier Jahre lang die von dem Priester Josef M. eingestandenen sexuellen Vergehen an Kindern und Jugendlichen aus den Jahren 1971, 1972, 1974, 1977 bis 1980 und 1996 nicht bei den staatlichen Strafverfolgungsbehörden an. Nach Informationen des “Kölner Stadt-Anzeiger” soll es sich um mindestens zehn Opfer beiderlei Geschlechts handeln.

Jetzt weigert sich Woelki seit Monaten, ein Gutachten über sexuellen Missbrauch an Kindern in seinem Bistum zu veröffentlichen. Seine Bischofskollegen sind inzwischen auch empört. Der Limburger Bischof nennt das Ganze „ein Desaster“, der Münchener Erzbischof Marx spricht von einer „außerordentlich negativen Wirkung“. Es treten jeden Tag so viele Katholiken in Köln aus der Kirche aus, dass alle Termine in Köln für einen Kirchenaustritt bis Ende April ausgebucht sind.

Woelki, der vor seiner Zeit in Köln Erzbischof von Berlin war, ist leider kein Einzelfall. Letztendlich geht es um das Selbstverständnis dieses klerikalen Männerclubs mit Standesdünkel und chauvinistischem Korpsgeist und der Überzeugung, nur Gott und dem Papst gegenüber verantwortlich zu sein. Der Chefredakteur der Zeitschrift „ZEIT/Christ & Welt“, selbst Katholik, Raoul Löbbert, berichtet von einem Interview mit einem katholischen Weihbischof, der meinte: „Unsere Kirche hat schon vieles überstanden in ihrer Geschichte, sie übersteht auch die Demokratie.“ Dieses Übel, an unseren Gesetzen vorbei Straftäter zu verschonen, ist aber nur möglich, weil es sich unsere Demokratie gefallen lässt. Die Parallelgesellschaft Katholische Kirche ist lange schon nicht mehr tragbar. Katholisches Arbeitsrecht zum Beispiel heißt: Kein Betriebsrat, kein Streikrecht. Wahrscheinlich nicht unwichtig im Konkurrenzkampf zum Beispiel der Krankenhäuser.

Wenn, wie inzwischen klar ist, dass Hinweise auf derartige schwerste Straftaten, wie Kindesmissbrauch, sich in den Archivbeständen der einzelnen Diözesen befinden, so ist es eigentlich selbstverständlich, dass die Staatsanwaltschaften wegen eines bestehenden Anfangsverdachtes derartiger Taten Beschlagnahmebeschlüsse beantragen und anschließend die Archive selbst auswerten oder auswerten lassen. Und gegenüber der Staatsanwaltschaft gilt natürlich auch keinerlei Datenschutz. Die Staatsanwaltschaften müssen die Herausgabe der entsprechenden Unterlagen bei den Diözesen anfordern. Mögliche Verjährungen zwingen auch zu schnellem Handeln. Ob und in welchen Fällen vielleicht tatsächlich Verjährung eingetreten ist, wird man abschließend erst nach Auswertung der Archive feststellen können.

Dieser Missbrauch muss ein Ende haben.

Ich wünsche Ihnen trotz alledem einen glücklichen Tag, aber bleiben Sie achtsam.


 
 

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