Von der Seele reden


Von der Seele reden – der Kommentar von Prof. Dr. Klaus-Dieter Müller, Politik- und Medienwissenschaftler und Vorstand der „Stiftung: Christliche Werte leben“.
 
Montag, Mittwoch und Freitag, um 10:45 Uhr und 20:45 Uhr. Mehr Infos zur Stiftung auf www.christlichewerteleben.de


Was bedeutet uns Familie?

In der Corona-Pandemie bekommen viele zu spüren: Familie kann anstrengend sein, aber sie ist vor allem auch Zuflucht und Geborgenheit. Die Lockdown-Maßnahmen gehen zulasten der Familien. Kindergärten und Schulen sind geschlossen, der eigene Job muss übers Homeoffice ausgeübt werden, je kleiner die Kinder, desto größer das Chaos. Und die Frage: Holen unsere Kinder das wieder auf, was ihnen vorenthalten wurde an Bildung und Betreuung? Auch in Bezug auf unsere Eltern und Verwandten fehlte der direkte persönliche Bezug, zum Helfen und Geborgensein gehört auch die Umarmung.

Familie kann erfolgreich, aber auch verhängnisvoll sein, vor allem aber ist sie unvermeidlich. In der Wochenzeitschrift DIE ZEIT lese ich: „Die folgenreichste Quelle von Glück und Unglück, die Familie, haben wir uns nicht ausgesucht. Die Gene, der Habitus, also unser Auftreten, unsere Haltung, alles ererbt oder, fataler noch, unbewusst übernommen und frühkindlich eingelernt. Am wenigsten kann man den familiären Mitgaben entrinnen, die heute am meisten beschworen und beklagt werden, den finanziellen Ressourcen und den Bildungschancen. Wir können uns meilenweit von dem Milieu unserer Kindheit entfernen und schleppen es doch mit uns fort“.

Was müssen wir tun, um Familie nicht als Last, sondern als Glück zu erfahren? Die Hamburger Paar- und Familientherapeutin Sandra Konrad gibt wichtige Hinweise: „Das Fundament ist Liebe, Respekt und Selbstvertrauen. Solange ich sage, er oder sie ist schuld an meinem Kummer, kann ich nichts gewinnen. Ich kann nur bei mir selbst schauen: Warum habe ich mir diesen Menschen ausgesucht, was finde ich an dem so toll, dass ich auch seine/Ihre Schwächen akzeptieren kann? Man sollte auch fragen: Was versuche ich mit meinem Verhalten zu bewältigen? Häufig sind es unbewältigte Kindheitskonflikte.“ Und ich füge hinzu: „Kinder leben das Leben ihrer Eltern mit. Vorbild sein und doch schon früh Kindern auch alternative Meinungen und Lebensgewohnheiten nahebringen. Kinder sind neugierig, sie wollen die Welt erobern. Darum möglichst viele Türen aufstoßen, Anregungen geben und Einblicke gewähren. Und fragen Sie sich öfter einmal: Wer wird in 50 Jahren noch an mich denken? Es werden aller Wahrscheinlichkeit nach nur die Kinder und Enkel sein.

Ich wünsche Ihnen einen glücklichen Tag, aber bleiben Sie achtsam.


 
 

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