Von der Seele reden


Von der Seele reden – der Kommentar von Prof. Dr. Klaus-Dieter Müller, Politik- und Medienwissenschaftler und Vorstand der „Stiftung: Christliche Werte leben“.
 
Montag, Mittwoch und Freitag, um 10:45 Uhr und 20:45 Uhr. Mehr Infos zur Stiftung auf www.christlichewerteleben.de


Die Alten sind am glücklichsten
 
DIE ZEIT macht in der 5. Kalenderwoche dieses Jahres mit der Frage auf: „Die zweite Hälfte des Lebens … ist sie die bessere? Ab 55 werden die Menschen immer zufriedener. Zufriedenheitsforscher, auch die gibt es, fanden heraus, dass das psychische Wohlergehen im Laufe eines Menschenlebens unabhängig von Einkommen, Beziehungsstatus, Bildung, Geschlecht, Ethnie und Generation die Form eines U hat. Die Jugend sucht das Abenteuer und geht mit hohen Erwartungen ins Leben. Der Optimismus ist der ständige Begleiter des Glücks. Im Laufe des Lebens muss man sich von so manchen Träumen verabschieden. Die Lebensmitte setzt uns unter Druck. Jetzt trägt man die meiste Verantwortung, der Glaube, es könne sich alles noch zum Besseren kehren, stößt an seine Grenzen, Angst und Depressionen stellen sich ein. Scheidungen und Selbstmorde erreichen in der Lebensmitte ihren Höchststand. Das Tief liegt zwischen Mitte vierzig und Mitte 50. Die zweite Hochphase beginnt dann mit Ende sechzig und Anfang siebzig, sagen die Zufriedenheitsforscher.

Das kann ich bestätigen. Mit Ende sechzig muss man nicht mehr auf jeder Bühne des Lebens den Kasper spielen und den Mittelpunkt überlässt man gerne den Jüngeren. Alle wissen, wer man ist und wofür man steht. Da fällt Bescheidenheit sehr viel leichter als auf der Leiter des Erfolgs. (Viele Danksagungen begleiten dich, von ehemaligen Doktoranden, die jetzt auch zu Professoren geworden sind, von Künstler/innen, deren Werke man im Laufe eines Lebens schriftlich gewürdigt hat oder von Wegbegleitern, die das eigene Wirken gerne auf den Olymp heben und einige mehr.) Bei der Betrachtung des Lebenswerks fallen die vielen Enttäuschungen und Fehler, die wir alle begehen, unter den Tisch. Was mir am meisten Freude macht, ist die Tatsache, dass man sehr viel mehr Zeit hat, sich selbst und andere zu reflektieren und nach Erklärungen für deren Verhalten zu suchen. Bei mir kommt jetzt hinzu, dass ich noch einmal Vater werden durfte und Stolz wie auch deutlich mehr Verständnis (Altersweisheit) für das kleine Wesen lassen selbst vollgemachte Windeln als auch lautstarke Kommunikationsformen als großes Glück empfinden. Das einzig Negative ist das schlechte Gewissen, dass ich meiner sehr viel älteren Tochter gegenüber empfinde, die aber abwinkt und sagt: „Mach dir keine Gedanken, wir sind Freunde, also ist doch alles gutgegangen.“

Nun ist jedes Leben anders und die Früchte des Lebens wachsen auf sehr unterschiedlichen Bäumen, aber gelassener werden wir im Alter alle. Ich kann nur allen in der Mitte des Lebens raten, nichts persönlich zu nehmen, Lob und Tadel gelten in der Lebensphase ohnedies mehr dem Titel und der Funktion als der Persönlichkeit. Freuen Sie sich auf Ihre Zukunft im Glück des Alters.

Ich wünsche Ihnen schon jetzt einen glücklichen Tag, aber bleiben Sie achtsam.


 
 

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