Von der Gnade der Endlichkeit

Wir werden immer älter.

 

Das ist einerseits schön – unsere Medizin macht es möglich. Das ist andererseits tragisch – denn alt werden wollen alle, alt sein keiner. Unser Leben ist endlich. Wir wollen das oft nicht wahrhaben und versuchen, Leben in jedem Fall zu erhalten – koste es was es wolle. Fast alle Leute, mit denen ich reden, wollen einmal nicht dement im Pflegeheim vor sich hin vegetieren. Fast jeder wünscht sich, bei klarem Verstand abzutreten, wenn seine Stunde gekommen ist.

 

Nur: Wann ist das? Und wer bestimmt das? Die Pflege ist längst zu einem gigantischen Geschäft geworden. Gestern wurde in Berlin ein Pflegedienst hochgenommen, der die Kassen um Millionen betrogen hat. Dabei ist es unerheblich, dass die 41jährige Leiterin des Dienstes aus Russland stammt wie die meisten Ihrer Mitarbeitenden. Unseren Pflegenotstand haben wir auch, weil sich keiner mehr um die immer älter und pflegebedürftiger werdenden Menschen kümmern kann. Also kaufen wir uns diesen Part der Fürsorge irgendwo möglichst billig ein.

 

Alles hat seine Zeit. Auch das Sterben.

 

Wohl dem der das begreift und lernt, damit umzugehen. Und Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten schreibt, solange er noch über sein eigenes Leben und Sterben bestimmen kann. Und dann auch gemäß seinem Willen gehandelt wird. Who wants to live forever?

 

Also ich nicht – und schon gar nicht unter allen Umständen.

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