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… und am Ende gewinnt Deutschland.

Früher waren es die Schlachtfelder. Dann die Amphitheater. Schließlich die Theater- und Opernbühnen. Aber die Arenen schlechthin, auf denen sich das Drama des Lebens am besten darstellen lässt, sind nun mal die Fußballstadien.

 

Die Requisiten sind schlicht, das Spielgerät einfach. Die Regisseure können lediglich durch die Wahl der Darsteller und einiger taktischer Vorgaben eingreifen. Am Ende des Dramas geht es dann tatsächlich Mann gegen Mann, es geht um Leben oder Tod, Triumph oder Schmach.

 

Und da fallen dann jede Menge theologische, philosophische und superlative Begriffe. Spiegel Online weckte mich am Sonntagmorgen mit der Schlagzeile: deutsche Mannschaft nach Sieg über Italien um Demut bemüht. Stuttgarter Zeitung heute Morgen: Am Ende erlöst. So was steht normalerweise über Todesanzeigen.

 

Aber es ist schon so: In knapp drei Stunden wird das Drama des Lebens auf die Bühne gezaubert. Wie in der Oper gibt es den strahlenden Helden, diesmal gegeben von Jonas Hector und den Widersacher, der am Ende erschossen wird. Gianluca Büffel Buffon war der Drache, Jonas Georg Hector der Drachentöter.

 

Ich lerne mich kennen in so einem Fußballspiel. Viel von meinen eigenen Allmachtsphantasien, von meiner Angst vor dem Tod von meinem Durst nach Leben und nach Siegen. Aber mir ist es allemal lieber, wenn das Drama des Lebens auf dem Spielfeld und nicht auf dem Schlachtfeld gespielt wird.

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