Umfrage: Menstruation ist zu teuer und voller Tabus

Hamburg. Das Thema betrifft nicht nur Entwicklungsländer: Auch in Deutschland sind Hygieneartikel bei der Menstruation für viele Frauen und Mädchen zu teuer. Das ist das Ergebnis einer bundesweiten Befragung der Kinderrechtsorganisation Plan International und Wash United, die am Montag in Hamburg vorgestellt wurde. Auch mangele es an guter Aufklärung in Schulen, angemessen ausgestatteten Toiletten im öffentlichen Raum und ärztlicher Hilfe bei Beschwerden. „Das Thema ist immer noch stark mit Tabus behaftet“, sagte die Geschäftsführerin von Plan International Deutschland Kathrin Hartkopf. Deutschland sei weit entfernt von einer „periodenfreundlichen Gesellschaft“. An der Befragung nahmen 1.000 Frauen und 1.000 Männer zwischen 16 und 45 Jahren teil.
Für 23 Prozent der Mädchen und Frauen seien die monatlichen Ausgaben für Hygieneartikel eine finanzielle Belastung, hieß es. Jede zehnte gibt an, den Wechsel von Binden, Tampons oder Slip-Einlagen wegen Geldmangels hinauszuzögern. Jede zweite Frau in Deutschland würde sich besser mit Tampons und Binden versorgen, wenn diese weniger Geld kosten würden. „Wir haben nicht damit gerechnet, dass sich im reichen Deutschland so viele Mädchen und Frauen ihre monatliche Regelblutung nicht leisten können“, so Hartkopf, die kostenlose Hygieneartikel in Schulen, Bildungseinrichtungen und öffentlichen Gebäuden fordert.
Vielen Mädchen fehlte bei der ersten Periode zudem das nötige Wissen. 21 Prozent der Teilnehmerinnen gaben an, dass sie gar nicht wussten, was mit ihnen geschah. Jede Zehnte kannte sich nicht mit Hygieneprodukten aus. „Schulen müssen besser über die Menstruation aufklären“, so Hartkopf. Dazu habe Wash United mit „Emmas Welt“ einen Leitfaden für „garantiert nicht peinliche“ Workshops an Schulen entwickelt.
Noch seien Tabus und Stigmata an der Tagesordnung: Rund ein Drittel der Befragten fühlt sich aufgrund der Menstruation „unrein“. 97 Prozent der befragten Mädchen und Frauen empfinden Blutflecken auf der Kleidung als „Worst Case“-Szenario.
Weitere Themen seien die Begleiterscheinungen der Menstruation: 72 Prozent der Befragten hätten Unterleibsschmerzen, 39 Prozent nehmen Schmerzmittel gegen die Beschwerden. 62 Prozent der Mädchen und Frauen würden Aktivitäten absagen, empfinden das jedoch als unangenehm und stoßen in ihrem Umfeld auf zu wenig Toleranz.
Angesichts der Ergebnisse fordert Plan International besonders in Schulen kostenlose Periodenprodukte, besser ausgestattete Sanitäranlagen und eine zeitgemäße Periodenaufklärung für alle Jugendlichen. Sie dürfe nicht nur biologische Fakten vermitteln, sondern müsse auch Tabus abbauen und das Selbstvertrauen der Mädchen stärken. Zudem brauche es eine landesweite Sensibilisierungskampagne, um gesellschaftliche Tabus rund um das Thema zu beenden. Hartkopf: „Hier gibt es jede Menge Luft nach oben.“
Nachbarländer seien da schon weiter. Im Mai wurde in Spanien ein Gesetz gebilligt, das Frauen mit Menstruationsbeschwerden drei bis fünf freie Tage pro Monat gewährt. In Frankreich gebe es für Studentinnen kostenfreie Hygieneprodukte an den Universitäten und in Wohnheimen. Auch in Schottland, Wien, Luxemburg und in der Schweiz gebe es Initiativen für kostenlose Hygieneprodukte, hieß es.

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