Radio Paradiso > Allgemein > Träume. Mahler meint am 11.7.2019
 

Träume. Mahler meint am 11.7.2019

160203_Mahlermeint_bannerManchmal löst eine Szene in einem Film eine Lawine aus. Judi Dench war es diesmal. Geheimnis eines Lebens, läuft gerade im Kino. Eine wahre Geschichte. Als junge Frau verliebt sich Joan in Cambridge in Leo. Russischer Immigrant, Kommunist, sie demonstrieren gegen das faschistische Franco-Regime. Joan studiert Physik und wird in die Gruppe berufen, die fieberhaft an der Bombe baut, bevor Hitler sie hat. In Zusammenarbeit mit Kanadiern und Amerikanern schaffen sie es schließlich. Joan muss erleben, dass die Amerikaner sie auch einsetzen. Hiroshima, Nagasaki … Sie verrät die Pläne an Leo – und damit an die Russen. Später, als sie als 80jährige gefragt wird, warum sie das getan hat, sagt sie: um den Frieden zu erhalten. Das Gelichgewicht des Schreckens hat den 3. Weltkrieg verhindert. Die Geschichte hat ihr recht gegeben. Eine Szene hat mich erwischt. Joan und Leo stehen hoch über dem nächtlichen London auf einem Turm und versprechen sich eine Zukunft, die es so nie geben wird. Und ich sehe mich und sie. In München, auf dem Turm der Frauenkirche. Zum ersten Mal sagen wir uns, dass wir uns vorstellen können, miteinander zu leben. Aber unsere gemeinsame Zukunft findet nicht statt. Fünf Jahre später ist sie tot. Offiziell ist sie an einer Lungenkrankheit gestorben. Oder an gebrochenem Herzen – wer weiß das schon. Habe ich eine Mitschuld? Ich weiß es nicht. Abe ich weine im dunklen Kino. Um sie. Um das nicht gelebte Leben. Manchmal erfährt man erst später, was eine anders gestellte Weiche so alles anrichten kann. Wie in „Geheimnis eines Lebens“ mit Judi Dench in der Hauptrolle.

Träume. Mahler meint am 11.7.2019 bewerten:
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (Noch keine Bewertungen)
Loading...