Tote Hose auf dem Campus.

Ich liebe meine Nachbarschaft. Denn wir wohnen unmittelbar an der Universität. Unser Weg zum tollen Naherholungsgebiet führt mitten durch den weitläufigen Campus. Dank der Hoch-schule der Medien, der Fächer Luft- und Raumfahrt und Maschinenbau ist es dort bunt und vor allem international. Ist? Leider muss man sagen: War. Seit einem Jahr ist dort, wo Studie-rende nicht nur forschen und lernen, sondern auch Festivals veranstalten und in Grüppchen auf den Grünflächen nicht nur die Vorlesungsinhalte nacharbeiten, tote Hose. Fast gespens-tisch leer ist es auf dem ganzen riesigen Gelände. Die Studierenden sind online – und zu Hause, wo immer in der weiten Welt das auch ist. Das Problem: wer nicht gerade – so wie ich – in der Nähe eines Campus lebt, kriegt das gar nicht mit.

Vorgestern habe ich mich mit zwei jungen Frauen unterhalten. Eine von ihnen studiert in In-nsbruck, die andere beginnt gerade in Würzburg ihr Studium. Sie leben zwar in WGs vor Ort. Die Uni von innen gesehen hat die eine schon lange nicht mehr, die andere noch gar nicht.

„Wir sind vergessen worden“, sagen sie. Und es stimmt: Kitas und Schulen sind pausenlos Themen, Jobs und Familien auch. Aber wann haben sie zuletzt von der prekären Situation von Studierenden gehört? Viele von ihnen hielten sich mit Hilfe von Jobs in der Gastronomie fi-nanziell über Wasser. Nach einem Jahr Lockdown sind sie am Ende. Ihr buntes Leben während des Studiums ist es schon lange. Diese Jahre sind für viele sehr prägend für ihr ganzes weiteres Leben. Es wird Zeit, dass Politik und Öffentlichkeit da mal ein wenig genauer hinschauen.

Tote Hose auf dem Campus.
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